Inhaltsverzeichnis

1      Die Besiedelung des Banats durch die Deutschen

2      Das Schicksal der Donauschwaben von 1918 bis 1941

2.1       Der Aprilkrieg Jugoslawiens 1941

2.2       Das „Banater Modell“

3      Chaotische Zustände von 1941 bis 1944

3.1       Die Bekämpfung der Partisanenbewegung durch die Deutschen

3.2       Schutzmaßnahmen der Deutschen gegen die Partisanen

4      Die Partisanen kommen an die Macht

4.1       Die geplante Vernichtung der deutschen Volksgruppe – die AVNOJ - Beschlüsse

4.2       Diskriminierende Gesetzgebung

4.3       Der blutige Herbst 1944

5      Vertreibung und Internierung

5.1       Evakuierungsversuche der deutschen Bevölkerung scheiterten

5.2       Die Ursachen der Vertreibung

5.3       Ausländische Hilfe bleibt aus

5.4       Die Methoden der Vertreibung am Beispiel Lazarfeld

5.5       Die Deportationen in die UdSSR

5.6       Lager in Jugoslawien

5.6.1        Ortsarbeitslager

5.6.2        Zentralarbeitslager

5.6.3        „Lager mit Sonderstatus“

5.7       Das Vernichtungslager Rudolfsgnad / Knićanin

5.7.1        Die Errichtung

5.7.2        Nur ein einziger Gedanke: Hunger

5.7.3        Der Umgang mit den Verstorbenen

5.7.4        Verbesserung der Umstände

5.7.5        Das „Lagerlied“

5.8       „Altenheime“, „Spitäler“ und „Kinderheime“

5.9       „Schwarze“ und „weiße“ Flucht aus den Lagern

5.10     Auflösung der Lager

5.11     Opferzahlen

6      Das Leben danach

6.1       Österreich

6.2       Die heutige Situation

6.3       Jugoslawien danach

7      Tatbestand des Völkermordes

Anhang I: Die Vertreibungsakte

Anhang II: Die Lager der Tito-Partisanen 1944 – 1948

Anhang III: Bevölkerungstabellen

Anhang IV: Karten

Anhang V: Interview mit Wenzel Jäger (*1933 in Lazarfeld) am 1.8.2007

Literaturverzeichnis

Primär- und Sekundärliteratur

Internetquellen

 

1         Die Besiedelung des Banats durch die Deutschen

Dass das Banat ein sehr umstrittenes Gebiet war, belegen die unzähligen, auch kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Völkern, die es nicht zuletzt auf Grund der fruchtbaren, ertragreichen Böden für sich gewinnen wollten. Allein zwischen dem Habsburgerreich und dem Osmanischen Reich fanden 7 so genannte österreichische Türkenkriege[1] statt, nach deren Verlauf die Herrschaft über dieses Gebiet wieder wechselte.

Einer der bedeutendsten dieser Kriege endete im Frieden von Passarowitz, der 1718 geschlossen wurde. Er sicherte dem habsburgerischen Kaiser folgende Gebiete: Westungarn, das Banat, die Batschka, Syrmien und Teile Bosniens. Bereits Ende des 17. Jhs. deklarierte Kaiser Leopold I: „Vor allem die Wiederbevölkerung der volklosen Gebiete, besonders der neu erworbenen, sei anzustreben. Viele Menschen seien im Türkenkrieg, teils niedergehauen, teils fortgeschleppt worden.“[2] Auf dem Landtag von Pressburg 1722/1723 verlangten die ungarischen Stände von Kaiser Karl VI, „freie Personen jeder Art“ für eine Übersiedelung in die neu erhaltenen Gebiete zu gewinnen. Als Folge gelten die drei großen Schwabenzüge. [3]

 

1. Schwabenzug (1722-1726): Unter Kaiser Karl VI wurden 57 deutsche Dörfer im Banat gegründet und etwa 23.000 Deutsche angesiedelt. Siedlergruppen aus Italien, Frankreich und Spanien verließen das Banat auf Grund der ungewohnten klimatischen Verhältnisse bald wieder.

 

2. Schwabenzug (1763-1772): Diese unter Kaiserin Maria Theresia durchgeführte Besiedlungswelle, führte an die 50 000 Siedler in das damalige Banat. Neue Städte und Dörfer wurden gegründet.

 

3. Schwabenzug (1781-1788): Unter Kaiser Joseph II  waren erstmals auch Protestanten unter den 30 000 Siedlern. Hauptsächlich wurden diese in bereits bestehenden Dörfern untergebracht. Neue Städte wurden kaum errichtet.

 

Im Vorfeld aller 3 großen Besiedelungswellen versprach die Regierung diverse Vorzüge und Vergünstigungen in materieller und finanzieller Form. Kaiser Karl VI befreite die Siedler für 6 Jahre von der Steuer. Dass die eingesetzten Werbemaßnahmen bei der deutschen Bevölkerung auf offene Ohren stießen beweisen große Wanderungswellen, die die Landsherren durch Auswanderungsverbote einzudämmen versuchten, denn der Großteil der Siedler waren untertänige Bauern, die sich eine neue Existenz aufbauen wollten.[4]

„Selbst der deutsche Kaiser, der ja das erste Ansiedlungspatent für die Besiedlung des Banats erlassen hatte, schob bereits 1724 eine Verordnung nach, mit deren Hilfe arme, kriminelle und ohne gültige Pässe reisende Einwanderer zurückgeschickt werden sollten.“ [5]

 

Doch die konsequente Siedlungspolitik und die Steigerung der landwirtschaftlichen, sowie der gewerblich-industriellen Produktion[6] bescherte der pannonischen Tiefebene, von der das Banat ein Teil ist, den Namen „Kornkammer der Donaumonarchie“. Gezielt wurden, je nach Bedarf, Handwerker, Facharbeiter, Kaufleute, Beamte und Kolonisten angesiedelt.

Folgenden Kolonistenspruch kann man als prägend für die Lage der deutschen Siedler des Banats im 18.Jh. bezeichnen:

"Den Ersten der Tod,
den Zweiten die Not,
den Dritten das Brot."

Dieses kurze Gedicht beschreibt die Lage der Siedler treffend. Die erste Generation hatte ein seit Jahrhunderten nicht mehr gepflegtes Ackerland zu bewirtschaften, das teilweise von Gestrüpp überwuchert oder eine ehemalige Sumpflandschaft war. Dem Kampf mit diesem Boden und den Anforderungen, die die Gründung einer Lebensexistenz und einer Gemeinschaftsordnung stellte, war nur ein geringer Teil der Bevölkerung gewachsen. Erschwerend kamen Seuchen, wie Cholera und Pest und die Auseinandersetzungen mit den Türken hinzu. Die Besiedelung des Banats hatte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch religiöse Gründe. Die Banater Deutschen sollten eine „Vormauer der Christenheit“ darstellen. Sie waren Bauern und Soldaten[7] zugleich. [8]

Insgesamt gelangten im Laufe des 18. Jhs. über 150 000 Einwanderer, davon 85 000 in das Banat, aus deutschen und österreichischen Gebieten in die pannonische Tiefebene. [9]

 

Ich möchte kurz auf das Selbstverständnis der Donauschwaben eingehen.

In ihrem Selbstverständnis empfanden sich die Donauschwaben zunehmend als Verteidiger ihrer kulturellen Eigenart und ihrer wirtschaftlichen Erfolge. Es ging ihnen um Freiheit, um Recht und Ordnung in Stadt und Land; nationale Forderungen kamen ihnen in ihrer Streulage erst gar nicht in den Sinn, obwohl sie sich diesen andauernd ausgesetzt sahen.“[10]
Die Donauschwaben waren mehrheitlich ein konservatives und unpolitisches Bauernvolk, das sich erst in der Zwischenkriegszeit organisierte, um in den entstehenden Nationalstaaten als Minderheiten überdauern zu können. Beispielsweise wurde 1920 der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund gegründet
[11]. Die Mehrheit fühlte sich nicht als Deutsche, sondern als Menschen deutscher Abstammung außerhalb des Deutschen Reiches lebend. Man war stolz auf die Eigenheit des Donauschwabentums, obwohl sich viele vom Begriff des „Donauschwaben“ abwandten. Grund dafür war der politische Missbrauch dieses Wortes in der NS-Zeit, von dem sich der Großteil der Betroffenen entfernte. Eigendefinitionen als Volksdeutsche oder Banater Deutsche oder Banater Schwaben waren und sind gebräuchlicher.

2         Das Schicksal der Donauschwaben von 1918 bis 1941

Nach dem Zerfall der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn 1918 wurden die etwa 1,5 Millionen Donauschwaben entgegen dem „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ auf 3 Staaten aufgeteilt: Jeweils ein Drittel war nun unter ungarischer, jugoslawischer und rumänischer Hoheit. Die jugoslawischen Schwaben erlebten nach dem Aprilkrieg Jugoslawiens 1941 eine weitere Teilung. Die Deutschen Syrmiens, Slawoniens, Kroatiens und Bosniens fielen an Kroatien, die Deutschen der Batschka und der Baranja an Ungarn, die Deutschen von Krain an Italien und die Untersteirer an das Deutsche Reich. Die Westbanater Schwaben unterstanden von nun an dem unter deutscher Militärverwaltung stehenden Serbien. [12]

2.1      Der Aprilkrieg Jugoslawiens 1941

Um die Umstände, die zum Aprilkrieg führten besser zu verstehen, muss man die Vorgeschichte kennen. In dem aus dem SHS-Staat (= Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) hervorgegangenen Königreich Jugoslawien setzte sich die Bevölkerung aus Kroaten und Serben, Slowenen, Mazedonier, Bulgaren, Albaner, Ungarn und Deutschen zusammen. Spannungen waren aufgrund der unterschiedlichen Kulturen, Religionen und wirtschaftlichen Situationen vorprogrammiert. „Die zahlenmäßig umfangreichste Minderheitengruppe im ehemaligen Jugoslawien bildeten die so genannten ‚Volksdeutschen’ mit ca. 500 000 Menschen, das waren 4,1% der Gesamtbevölkerung.“[13] Explosiv wurde die Lage, als sich die Regierung am 25. März 1941 für einen Beitritt zum Dreimächtepakt, übrigens mit Bulgarien und Rumänien, aussprach. Die Folge war ein Militärputsch. Um, ob der drohenden Unruhen, den geplanten Russlandfeldzug nicht zu gefährden, sah sich Hitler gezwungen einzumarschieren[14]. Ohne Kriegserklärung griffen deutsche, italienische, bulgarische und ungarische Truppen Jugoslawien am 6.April 1941 an[15].

Gründe für das rasche Zusammenbrechen der jugoslawischen Streitkräfte sind in der innenpolitischen Situation Jugoslawiens zu suchen. Viele der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, insbesondere die benachteiligten Minderheiten, waren nicht bereit, diesen Staat zu verteidigen. Die kampfesunwillige Armee löste sich größten Teils ohne Feindkontakt selbst auf.

Der Krieg war am 18. April 1941[16] bereits wieder beendet, es kam zur Aufteilung und Besetzung Jugoslawiens durch Deutschland und seine Verbündeten: Altserbien, also auch das Westbanat, blieb deutsches Besatzungsgebiet und im Norden entstand ein Hitler-höriges Kroatien[17]. Das restliche Gebiet teilten Italien, Bulgarien, Ungarn und Albanien unter sich auf. „De-facto- Besatzungsmächte waren Deutschland und Italien.“[18]

Die Behauptungen des Tito-Regimes ab 1945, die deutsche Minderheit sei für das rasche Zusammenbrechen der jugoslawischen Armee verantwortlich, entsprechen nicht der Wahrheit. Die kommunistische Geschichtsschreibung prägte Begriffe wie „Die Fünfte Kolonne“ und beschuldigte die deutschen „Bürgerwehren“ und die „Deutsche Mannschaft“ als Verantwortliche für die Niederlage im Aprilkrieg. Unter der „Fünften Kolonne“ verstanden die Kommunisten intrigierende deutsche Zivilisten, die mit den späteren Besatzungsmächten kooperierten. Die „Bürgerwehren“ waren de facto nicht nur deutsch, sondern, besonders in gemischt besiedelten Gebieten, multinational. Sie dienten lediglich der Verteidigung des jeweiligen Ortes gegen Angriffe von Soldaten und entstanden spontan. Waffen hatten sie größtenteils keine oder veraltete Modelle, sie stellten also keine wirkliche Gefahr für die jugoslawische Armee dar. Mit den jugoslawischen Streitkräften gab es, ob der geringen Dauer des Krieges und dem nicht vorhandenen Kampfeswillen, keine nennenswerten Auseinandersetzungen. Die „Deutsche Mannschaft“ ist als Schutzwache von deutschen Dörfern gegen die Partisanen erst nach Ende des Aprilkrieges ins Leben gerufen worden „Diese ‚Heimatschutztruppe’ hatte keinerlei militärischen Wert und war nur noch ein ‚letztes Aufgebot’, ähnlich dem „Volkssturm“ in Deutschland.“ [19]

 

Der Vollständigkeit halber muss man erwähnen, dass es im Zuge des Aprilkrieges 1941 zu einigen „Bevölkerungstransfers“ kam. Italien deportierte 35 000 Slowenen und 58 000 Menschen anderer jugoslawischer Völker und setzte sie in Italien zur Zwangsarbeit ein. Im Gegenzug siedelten sie Italiener in die annektierten Gebiete. Auch die Verbrechen der Ustascha in Kroatien müssen erwähnt werden. Unter ihrem nationalistischen Führer Pavelic verfolgte man das Ziel, ein „ethnisch sauberes“ also kroatisch-katholisches Kroatien zu schaffen. Bis zum Oktober 1941 hatte die Ustascha etwa 104 000 Serben vertrieben und 200 000 ermordet. Auch zwischen Ungarn und Serbien kam es zu „Bevölkerungstransfers“. Wurde aus Ungarn eine bestimmte Anzahl an Serben ausgewiesen, so verwies Serbien im Gegenzug diese Anzahl an Ungarn des Landes. Das waren nur wenige, kurze Beispiele von Umsiedelungsaktionen und Bevölkerungsverschiebungen in Jugoslawien. [20]

2.2      Das „Banater Modell“

Nach der Besetzung hatte die deutsche Volksgruppe im Westbanat das Privileg einer weitgehenden autonomen Selbstverwaltung. Dem damaligen Führer der Volksgruppe war es ein großes Anliegen, die Westbanater Deutschen wirtschaftlich, sozial und kulturell auf reichsdeutschen Standard zu bringen. Außerdem wollte man, in Bezug auf ein friedliches Zusammenleben verschiedener Nationalitäten, mit gutem Beispiel voran gehen.

Am 23.April 1941 wurde die deutsche Volksgruppe mit Status einer Person öffentlichen Rechts ausgestattet und erhielt die Erlaubnis, „für alle Volksdeutschen verpflichtende und rechtskräftige Statuten und Anordnungen zu erlassen“. [21]

3         Chaotische Zustände von 1941 bis 1944

Die Jahre von 1941 bis 1944 waren geprägt von Machtwechseln und von der Ungewissheit, in der die Bevölkerung leben musste. Nach Ende des Aprilkriegs stand das Banat unter deutscher Besatzung, aus Osten nahte die Rote Armee. Dass die deutsche Besatzungsmacht nicht mehr lange vor Ort bleiben werde, war absehbar. Kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee, der am 1. Oktober 1944 begann, zog sich die deutsche Wehrmacht zurück. Doch auch die Rote Armee hielt sich nicht als Besatzungsmacht, denn wenige Wochen später übernahmen die Partisanen Titos die Macht im Banat.

Generell waren die Partisanen in zwei getrennte Organisationen gespalten. Auf der einen Seite gab es die Tschetniks, deren Führer der konservative Monarchist D. Mihailovic war und auf der anderen Seite, die vom Generalsekretär der seit 1920 verbotenen, Kommunistischen Partei Jugoslawiens (KPJ), Josip Broz, genannt Tito, geführten „Proletarischen Brigaden“.

Durchgesetzt hat sich von diesen zwei Richtungen nur die zweite. Ein Grund dafür ist, dass Tito gegen Ende des Zweiten Weltkriegs sich der Unterstützung der Alliierten sicher sein konnte, aber dazu später mehr. [22]

3.1      Die Bekämpfung der Partisanenbewegung durch die Deutschen

Die immer häufiger werdenden Überfälle der Partisanen auf die deutschen Soldaten veranlassten die deutsche Besatzung einen „Appell an das serbische Volk“ zu richten, in dem sie es zur Zusammenarbeit aufforderten. Darüber hinaus kam es am 16. November 1941 zu einem folgenschweren Befehl des OKW[23]: Für jeden durch die Partisanen verwundeten oder getöteten deutschen Soldaten sollen 50 oder 100 Serben erschossen werden! Diese Exekutionen sollten als Abschreckung dienen. Die Quote wurde kurze Zeit später herabgesetzt. Stattdessen reagierte man mit Gefangennahmen und den Soldaten war es nur mehr erlaubt, aus Notwehr zur Waffe zu greifen. Doch dieser OKW - Befehl führte zu Angst und Hassgefühlen der serbischen Bevölkerung. Hass, da völlig unschuldige Serben ihr Leben lassen mussten, wenn deutsche Soldaten von den Partisanen angegriffen wurden. Angst, da man selbst jederzeit Opfer einer solchen Exekution werden konnte. Angst und Hass trieben viele serbische Zivilisten in die Hände der Partisanen.

Unter der systematischen Bekämpfung der Partisanen[24] verstand man im Allgemeinen Großeinsätze, bei denen man ganze Ortschaften umstellt und durchsucht hat. In Gefangenschaft geratene Partisanen oder der Kollaboration verdächtigte Personen wurden zum größten Teil nach entsprechenden Gerichtsverfahren exekutiert oder inhaftiert. Die Zahl der nach einem Gerichtsurteil hingerichteten Partisanen, beläuft sich auf 1100-1340[25].

3.2      Schutzmaßnahmen der Deutschen gegen die Partisanen

Zum Schutz der Banater Deutschen hat die Volksgruppenführung ein Heimatschutz-Regiment namens Prinz Eugen ins Leben gerufen. Es bestand nur aus Banater Schwaben und diente als Verteidigung gegen die Partisanen. Diese Maßnahme war angesichts der Umstände verständlich und gesetzeskonform. Jedoch änderte ein Führerbefehl von 1942 die grundlegenden Bestimmungen dieser Organisation. Die SS-Freiwilligen-Gebirgsdivision Prinz Eugen wurde am 1.März 1942[26] gegründet. Diese stand unter reichsdeutscher Führung und wurde auch außerhalb des Banats im Kampf gegen die Tito-Partisanen eingesetzt. Der damalige Volksgruppenführer beschwerte sich zu Recht, dass solche Einsätze nicht den Bestimmungen des Kriegsrechtes entsprachen, konnte sich aber gegen Heinrich Himmler nicht durchsetzen, der sich wiederum auf das „Gesetz des Blutes“ berief. Die Musterungen für diese SS-Division betrafen die Jahrgänge von 1892 bis 1926 und waren außerdem sehr großzügig angelegt. Es wurden selbst versehrte Veteranen des Ersten Weltkriegs „tauglich“ erklärt. Wehrdienstverweigerer gab es im Banat, ausgenommen einiger weniger in Franzfeld, einer Banater Gemeinde, nicht. [27] Bis zum Jänner 1944 wurden 22 000 Männer der deutschen Volksgruppe im Banat und in Serbien eingezogen. 600 davon zur Wehrmacht, eine nicht näher bestimmbare Anzahl zur Banater Polizei, dem Zollgrenzschutz und der Hilfspolizei. Mehr als 15 000 Männer mussten der Waffen-SS beitreten, die Verluste bis Jänner 1944 betrugen 917 Mann, das entspricht mehr als 4%.[28]

In Bezug auf die Beteiligung der Schwaben am Zweiten Weltkrieg, ist Folgendes zu beachten:

Man muss bei den Rekrutierten zwischen „Freiwilligen“, „Willigen“ und „Gezwungenen“ unterscheiden. In der damaligen Zeit war es gesellschaftlich untragbar, den Kriegsdienst zu verweigern, Deserteure gab es nur wenige. Die „Freiwilligen“, die mit Freude ihr Land vertraten, egal für welche Armee sie sich entschieden hatten, bildeten eine Minderheit. Der Großteil der Soldaten ist der Gruppe der „Willigen“ zu zurechnen. Etwa 2/3 der Rekruten entschieden sich im Zweiten Weltkrieg das Deutsche Reich zu verteidigten, 1/3 ging zur ungarischen oder rumänischen Armee, oder desertierte. Den 2/3, die Deutschland verteidigten, kann man aber keinen Vorwurf machen, denn sie hatten die Wahl zwischen einem schlecht ausgerüsteten Heer, mit schlechtem Verdienst und schlechter Behandlung und dem besser situierten deutschen Heer. Die Entscheidung für die deutsche Streitmacht darf man keinem einzigen vorwerfen.

An den Racheexekutionen von Oktober 1941 bis Februar 1942, die das deutsche Militär verübte, nahm diese Division nicht Teil, da sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestand.

Als weitere Schutzmaßnahme gegen die Partisanen galten Polizei, Gendarmerie und die „Banater Staatswache“. [29]

Die „Banater Staatswache“ war Teil der „Serbischen Staatswache“. Diese bestand zum Großteil aus Deutschen, Ungarn und Serben. Die „Serbische Staatswache“ wurde nach Ausbruch des Krieges zwischen der UdSSR und Deutschland ins Leben gerufen und war verantwortlich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, daher wurde sie auch gegen die Partisanen eingesetzt. [30]

4         Die Partisanen kommen an die Macht

Seit 10. Oktober 1944 waren die Partisanen die bestimmende Kraft im Banat. [31] Ab diesem Zeitpunkt waren sie die alleinigen Verantwortlichen für die Geschehnisse der folgenden Jahre. Ich möchte im folgenden Abschnitt genauer auf die Taktik und die Gründe für das Handeln der Partisanen eingehen.  

4.1       Die geplante Vernichtung der deutschen Volksgruppe – die AVNOJ - Beschlüsse

Mit dem Beginn des Einmarsches der Roten Armee am 1. Oktober 1944 waren die Tage deutscher Besatzung gezählt. Nur wenige Tage später übernahmen die Partisanen das Kommando über das Banat.

Als planendes Organ der gezielten Vernichtung der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien kann der „Antifaschistische Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens“ (AVNOJ[32]) angesehen werden. Darunter versteht man den von der kommunistischen Partisanenbewegung dominierten provisorischen und gesetzgebenden Rat. Auf seiner 2. Sitzung im November 1939 hatte man die Partisanen zu den rechtmäßigen Vertretern und Verteidigern des jugoslawischen Volkes und gleichzeitig, alle, die sich ihnen widersetzen zu Volksfeinden erklärt.

Auch der Unterstützung durch die Alliierten konnte sich Tito ab Februar 1944 sicher sein. Sie erkannten ihn allein als unterstützungswürdigen Partner im jugoslawischen Raum an.

Auf der AVNOJ-Sitzung vom 21. – 29. November 1943 wurde Tito zum Marshall Jugoslawiens ernannt, der jugoslawischen Exilregierung, die sich in London befand, die Anerkennung entzogen und König Peter II. die Rückkehr ins Land untersagt.[33] Im Bezug auf die deutsche Minderheit wurden folgende Beschlüsse gefasst: [34].

Ausgenommen waren Volksdeutsche, die

Dieser Beschluss wurde der deutschen Bevölkerung im Banat nicht bekanntgemacht, die Auswirkungen bekamen sie aber zu spüren.[37]

Zeitzeuge Wenzel Jäger beschreibt die praktischen Auswirkungen der Beschlüsse folgender Maßen: „Eine Folge davon waren ‚Hausdurchsuchungen’ der Volksmiliz[38]. Sie drangen mit Gewehren oder Stöcken bewaffnet in die Häuser ein und nahmen sich, was ihnen gefiel. Manchmal kamen sie sogar mit kleinen Kindern und diese suchten sich was aus. “[39] Dieses Verhalten kann man aber nicht als Diebstahl bezeichnen, denn die Deutschen hatten kein Recht auf Eigentum mehr.

Dieser AVNOJ-Beschluss war nicht die einzige, gesetzlich festgelegte und somit gerechtfertigte Methode der Diskriminierung der deutschen Minderheit in Jugoslawien.

4.2       Diskriminierende Gesetzgebung

Die bereits angeführten AVNOJ – Beschlüsse sind nicht die einzigen, gesetzlich verankerten Menschenrechtsverletzungen, die in wenigen Jahren durchgesetzt wurden.

Beachtet man den Umstand, dass die Internierungen in Vernichtungs- und Arbeitslager bereits im Frühjahr 1945 abgeschlossen war, so erscheinen all diese Gesetze „als formale Abrundung der antideutschen Gesetzgebung.“[44]

Die kollektive Entrechtung, Enteignung und spätere Internierung war gemäß dem damaligen jugoslawischen Recht gerechtfertigt.

4.3      Der blutige Herbst 1944

Grausamer Höhepunkt der Aggressionen der Partisanen waren die Herbstmonate 1944. Die Partisanen hatten nach dem 10. Oktober 1944 die Verwaltung bereits inne, was verheerende Folgen mit sich brachte. Deutsche waren „willkürlichen Verhaftungen, brutalen Misshandlungen, Erschießungen und andersartigen Ermordungen (Erstechen, Totschlagen, Totprügeln(sic)) “ ausgesetzt. „Männer, die sich am Gemeindeamt über die Vergewaltigung ihrer Frau beschwerten, wurden noch bestialischer als die anderen misshandelt und ermordet[45].

Solche Erschießungsaktionen muss man sich wie folgt vorstellen: Zivilisten, vor allem Männer, aber auch Kinder, wurden von den Partisanen aus den Häusern geholt, mussten dann in kleinen Gruppen marschieren. Unter Sprechverbot und im Glauben in ein Arbeitslager gebracht zu werden, endet ihr Marsch meist in Gaststätten oder großen Häusern, wo sich grausamste Gewalttaten abspielten. Ein Beispiel aus der Banater Gemeinde Startschowa: „Da warteten einige Partisanen, bewaffnet mit Stöcken, und befehlten (sic) uns auszuziehen, aber die Unterhose können wir anlassen. (...) Wie sich einer rührte, schlagen (sic) sie mit den Stöcken. (…) Als ich nur in der Unterhose war, bekam ich von neuem an Prügel. (…) Auch mit Messern wurden einige gestochen.“ [46] Der Marsch ging weiter, gefesselt. Weitere Demütigungen, wie das Eintauchen der blutüberströmten Körper in eiskaltes Wasser, folgten. Danach ereigneten sich die Erschießungen. „Ohne ein Wort, ohne ein Urteil schoss ein Partisan mit der Maschinenpistole auf uns.“[47] Die geschundenen Körper fielen in den Graben, vor dem sie sich aufstellen mussten. In der einen Nacht fanden 97 Männer dieser Banater Gemeinde auf diese Weise den Tod.[48]

Insgesamt töteten die Partisanen im ‚blutigen Herbst 1944’ allein im Banat 1 500 Zivilisten durch Massenliquidierungen, meistens durch Erschießungen. [49] 

5         Vertreibung und Internierung

Die Vertreibungen und anschließende Internierung in Arbeits- und Vernichtungslager waren die dramatischsten Folgen für die deutsche Bevölkerung in Jugoslawien, nach der Machtübernahme durch die Partisanen. Diese Auswirkungen waren bereits im Vorhinein klar, denn die Partisanen machten kein Geheimnis aus ihrer geplanten „ethnischen Säuberung“ Jugoslawiens. Die Vertreibungen waren bereits im Frühjahr 1945 abgeschlossen.

5.1       Evakuierungsversuche der deutschen Bevölkerung scheiterten

Die Evakuierungsbefehle der deutschen Regierung für das Banat kamen, aus welchen Gründen auch immer, viel zu spät. War es das Desinteresse an der Volksgruppe, der anhaltende Glaube an einen Sieg des Deutschen Reiches, das Nichteingestehen einer Niederlage oder das in Kauf nehmen der Geschehnisse.

Die Volksgruppe selbst hatte zwar einen am 2.September 1944 fertig ausgearbeiteten Evakuierungsplan, dieser konnte aber wegen eines Verbotes der Evakuierung seinen Zweck nicht erfüllen.[50]

Um den 6.Oktober 1944 war das gesamte Banat von der Sowjetunion und den Partisanen besetzt. Wie bereits erwähnt war zu diesem Zeitpunkt der Großteil der Banater Schwaben noch vor Ort.

Es sind zwar im Laufe des Abzuges der deutschen Besatzung 225 000 Donauschwaben, also etwa die Hälfte, geflüchtet oder sie wurden evakuiert. Allerdings war ein nur kleiner Teil davon Banater Abstammung. Es blieben etwa 200 000 Banater Schwaben zurück, die von nun an, nach Abzug der deutschen Truppen, auf sich allein gestellt waren.[51] Etliche Tausend von den Geflüchteten kehrten nach Kriegsende wieder nach Jugoslawien zurück. Wieder Daheim angekommen wurden sie bestenfalls direkt in Lagern interniert, oder sie fielen in die Hände der Partisanen. Diese waren bekannt für ihre brutale Umgehensweise, ihre Quälereien, bei denen die Opfer nur auf einen schnellen Tod hoffen konnten.

5.2       Die Ursachen der Vertreibung

Aus heutiger Sicht betrachtet, lassen sich 7 Teilursachen[52] feststellen.

1.      Der Großserbische Nationalismus, der ethnische Säuberungen legitimierte.

2.      Die Kommunisten sahen ihr bevorzugtes System der Kollektivwirtschaft durch den großen Bodenbesitz der Deutschen gefährdet. Enteignungen waren also von Nöten.

3.      Die KPJ (= Kommunistische Partei Jugoslawiens) fürchtete die Donauschwaben als Gegner der kommunistischen Gesellschaftsordnung.

4.      Man musste die Partisanenkämpfer belohnen können, dazu war Grundbesitz notwendig.

5.      Neid gegenüber den damals wohlhabenden Donauschwaben.

6.      Hass- und Rachegefühle. Dabei muss man nicht nur auf die Kriegsdienste der Donauschwaben eingehen, sondern auch auf den Zerfall Jugoslawiens nach dem Aprilkrieg 1941. Die Serben gaben den Deutschen und den Ungarn die Schuld am Untergang des Königsreiches.

7.      Die Beispielwirkung, die von der Bereitschaft der Alliierten ausging, die Vertreibung der Deutschen aus Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und aus den deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße zu betreiben oder zu tolerieren.

5.3       Ausländische Hilfe bleibt aus

Warum sehen die Alliierten bei den Vertreibungen der Deutschen aus Ost- und Südosteuropa tatenlos zu? Zum einen, musste man sich sicherlich mit anderen Problemen, wie der Neuordnung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, beschäftigen. Zum anderen gab es unter den Alliierten auch Befürworter der Vertreibungen und manche waren der Idee eines „ethnisch gesäuberten“ Jugoslawiens gar nicht abgeneigt und auch froh darüber, dass man sich nicht auch noch um diese Probleme kümmern musste.

Als erster Staatsmann begrüßte und akzeptierte der tschechische Staatspräsident Eduard Benesch 1941 den Plan der „Umsiedelung“ der Deutschen aus der zukünftigen Tschechoslowakei, später stimmten Stalin und Roosevelt dem Plan des „Transfers“ der deutschen Bevölkerung zu.

Auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 kam es zur Legitimierung des „geordneten und humanen Transfers“ deutscher „Bevölkerungsteile“ Polens, der Tschechoslowakei und Ungarns und die Stellung der ostdeutschen Gebiete unter die vorläufige Verwaltung Polens durch die Alliierten[53].

Auch eine Akte der amerikanischen Botschaft in Belgrad von 1947 beweist, dass die Alliierten über die Geschehnisse in Jugoslawien Bescheid wussten.[54]

5.4       Die Methoden der Vertreibung am Beispiel Lazarfeld

Da der von mir interviewte Zeitzeuge, Herr Wenzel Jäger, aus der Banater Ortschaft Lazarfeld bzw. Lazarevo stammt, werde ich die Methoden der Vertreibung anhand dieses Ortes genauer betrachten. Die Vorgehensweise war im gesamten Banat ähnlich.

Am 30. September 1944 kam eine kleine Einheit der Roten Armee, 20 bis 25 Mann stark, nach Lazarfeld und erkundigte sich über die Anwesenheit Deutscher Streitkräfte. Das konnte von einem russisch sprechenden Banater wahrheitsgemäß verneint werden. Am nächsten Tag verließ der russische Stoßtrupp Lazarfeld wieder, um am 2.Oktober 1944 zahlreicher und mit besserer Ausrüstung wieder einzumarschieren. Um ein weiteres Vordringen der Roten Armee zu verhindern wurden deutsche Soldaten aus dem Balkan in das Banat eingeflogen und es kam zu Auseinandersetzungen. Die deutsche Wehrmacht wurde zurückgedrängt und ab 2. Oktober 1944 stand Lazarfeld unter russischer Besatzung. Die ersten Tage dieser Besatzung hinterließen Spuren. Vergewaltigungen, Plünderungen und Beschlagnahme von diversen Gütern. Wenige Tage nach der Besetzung durch die Rote Armee kamen auch in Lazarfeld die Partisanen an die Macht.

Die Partisaneneinheiten ersetzten ab 10. Oktober 1944 die „Ortsbefreiungsausschüsse“, die unmittelbar nach dem Durchzug der Roten Armee unter Führung von „Ortspartisanen“ gebildet wurden.[55]

Einer der ersten Befehle, den die Partisanen aussprachen, war das Wegschaffen und Begraben der Leichen der Gefallenen im Kampf um Lazarfeld, „rechts die Deutschen und links die Russen“. [56] Zu beklagen gab es 16 gefallene Deutsche und 25 gefallene Russen.[57]

„Laufend mussten sich in den folgenden Tagen alle Einwohner beim Gemeindeamt einfinden. Partisanen führen sie auf Felder, Partisanen stehen schussbereit (sic) daneben, wenn unsere Landsleute die Ernte für die Sieger einbringen.“[58]

Um Weihnachten 1944 musste sich die Banater Bevölkerung ein weiteres Mal im Gemeindeamt sammeln. Diesmal fertigte man Listen an, die alle arbeitsfähigen Deutschen von 18 bis 35 bzw. 50 Jahren enthielten. Zweck dieser Erfassung war die spätere Überführung von 99 deutschen Lazarfeldern in das Arbeits- und Sammellager Großbetschkerek, das als Zwischenstation für die Deportation nach Russland fungierte.[59] Aber dazu später mehr.

Die arbeitsfähigen Lazarfelder wurden also bereits ab Ende des Jahres in das Zentralarbeitslager Großbetschkerek verfrachtet. Die Arbeitsunfähigen, also Kinder, Mütter mit Säuglingen unter 2 Jahren und Alte wurden im Ort in einem eigens errichteten Sammellager untergebracht. „Im Frühjahr 1945 spazierte eines Tages ein Trommler durch den Ort und gab bekannt, dass sich alle Volksdeutschen am Gemeindeplatz einzufinden haben. Dieser Befehl wurde befolgt und während sich alle Deutschen am Gemeindeplatz befanden und sich die Beine in den Bauch standen, wurden deren Häuser ausgeräumt und der Boden mit Stroh ausgefüllt. Die Volksmiliz[60] machte das mit mehreren Häusern, die dann als Sammellager galten.“ Die Kranken und Gebrechlichen wurden ab März 1945 von den Partisanen erfasst und in das Kathreinfelder Krankeninternierungslager gebracht.[61]

 

Das entsprach der üblichen Vorgehensweise: Die jugoslawischen Partisanen besetzten Ortschaften, verhängten eine Ausgangssperre, ein Einkaufs- und Verkaufsverbot und eine Nachrichtensperre.[62] Die Elite der Orte, also beispielsweise Richter, Lehrer und Pfarrer, wurde mit Hilfe von Volksverhören eruiert und diese dann in aller Öffentlichkeit erschossen. Die restliche Bevölkerung kam in kleine Sammellager. Diese Sammellager dienten nur für kurze Zeit als Aufenthalt, denn die Überstellung in Vernichtungs- oder Arbeitslager folgte im Herbst 1945

5.5            Die Deportationen in die UdSSR[63]

Stalin verlangte von Rumänien und den besetzten Gebieten Ungarns als Wiedergutmachung für die erlittenen Kriegsschäden die Bereitstellung von Arbeitskräften. Auf der Konferenz von Jalta, die von 4. – 11. Februar 1945 stattfand, war seine Forderung von den Alliierten – im Nachhinein- genehmigt worden.

Die Partisanen stellten 12 000 donauschwäbische Zivilpersonen, davon 8000 Frauen und 4000 Männer aus dem Banat und der Batschka zur Verfügung.[64] Die Anzahl der Deportierten in die UdSSR liegt heutigen Schätzungen zu Folge für Rumänien bei 70 000 und für Ungarn zwischen 19 000 – 60 000. „Die Gesamtzahl der in die Sowjetunion deportierten Jugoslawiendeutschen läßt (sic) sich (…) auf ca. 27 000 bis 30 000 schätzen. [65] Davon sind ca. 16%[66] in der Sowjetunion zu Tode gekommen. [67]

Von der Deportation in die UdSSR waren ausschließlich arbeitsfähige Frauen von 18-35, selten bis 40 Jahren und Männer von 17-45 Jahren, vereinzelt 50- und 60-jährige betroffen. Mütter von Kindern unter 2 Jahren und werdende Mütter waren davon ausgenommen.

Die Transporte dauerten etwa 20 Tage und waren am 6. Jänner 1945 bereits abgeschlossen. Heute geht man von mindestens 8 Transportzügen, jeweils 4 aus dem Banat und der Batschka aus. Die Züge bestanden aus bis zu 45 Güterwägen mit ca. 45 Personen pro Wagen. Über Rumänien brachte man die Menschen in die UdSSR, wo sie dann in Bergwerken oder Kohlenrevieren arbeiten mussten. Die Zwangsarbeit dauerte oft 5 Jahre, auch Verlegungen in andere Lager waren nicht auszuschließen. Etwa 16% der deportierten Deutschen des Banats und der Batschka, das sind ca. 2000, sind gestorben, wobei bereits auf der Hinreise Tote zu beklagen waren. Obwohl man nur gesunde und arbeitsfähige Menschen deportierte, ereigneten sich wegen den katastrophalen hygienischen Umständen in den Viehwagons, die als Transportmittel dienten, und wegen der Kälte schon Todesfälle.

Die Zwangsarbeiterlager in der UdSSR waren streng bewachte Unterkünfte, teilweise ohne Fenster und Türen, von Stacheldraht umgeben. Aus den unhygienischen Umständen resultierten Seuchen und Ungezieferplagen. Die Verpflegung bestand aus bitter und sauer schmeckendem, schwer verdaulichem Brot und Kraut- oder Mehlsuppe ohne Fleisch und Fett. Ausgegeben wurde das Essen in verrosteten Blechbüchsen in bis zu drei Kilometer entfernten Küchen. Die verlauste Militärkleidung, die den Häftlingen zugedacht war, konnte den Ansprüchen des Winters oft nicht genügen und so kam es, begünstigt durch den andauernden Mangel an Brenn- und Heizmaterial, auch zu Kältetoten. Dazu kamen Unterernährung, Seuchen, Nässe, Erschöpfung durch die tägliche Schwerstarbeit.

Ende 1945 begannen erste Rücktransporte von Schwerkranken und arbeitsunfähig Gewordenen nach Jugoslawien. Dort endeten sie dann größtenteils in Vernichtungslagern.

Ab 1948 verbesserten sich die Arbeitsbedingungen und die Verpflegung der Zwangsarbeiter in der Sowjetunion. Ab Oktober 1949 wurden die Zwangsarbeitslager in der UdSSR aufgelöst und die Rücktransporte, die zum Großteil direkt nach Deutschland führten, starteten.

Die Überlebenden der Zwangsarbeiterlager starben, im Vergleich zu der übrigen Bevölkerung, relativ früh, was als Spätfolge ihrer Gefangenschaft gesehen werden kann. [68]

5.6      Lager in Jugoslawien

Die Donauschwaben, die von der Deportation in die UdSSR nicht betroffen waren, wurden in jugoslawische Lager interniert. Während des Tito-Regimes wurden unterschiedlichste Arten von Lagern errichtet. Ausgenommen von der Internierung waren deutsche Partisanenkämpfer und Deutsche, die in Mischehen lebten. Der Anteil dieser „Verschonten“ beläuft sich auf 2-3%.[69]

Generell kann man zwischen 3 Typen von Lagern unterscheiden.

5.6.1      Ortsarbeitslager

„In fast jedem der Orte mit mehr als 200-300 deutschen Bewohnern wurde ein Arbeitslager eingerichtet, um die kriegsbedingt ausstehenden Ernte- und die sonstigen anfallenden landwirtschaftlichen und industriellen Arbeiten (…) ausführen zu lassen. Meist wurden hierfür deutsche Häuser geräumt und mit arbeitsfähigen ortsansässigen Donauschwaben, nach Geschlechtern getrennt, belegt. Ein in der Regel slawischer Aufseher (…) teilte die Zwangsarbeiter jeden Tag in Arbeitsgruppen ein und wies ihnen ihre Aufgaben zu.“[70]

5.6.2      Zentralarbeitslager

Diese auf Bezirksebene errichteten Lager befanden sich in bereits erbauten „Barackenlagern oder Fabrikhallen. Von diesen aus beschickte man die lokalen Arbeitslager, aber auch Lazarette, Flugplätze der Roten Armee und Ähnliches mit angeforderten Arbeitskräften.“[71]

Ab Frühjahr 1946 war es ortsansässigen, gut situierten Bürgern möglich sich Arbeitskräfte aus solchen Lagern für einen bestimmten Zeitraum gegen Entgelt zu kaufen.

5.6.3       „Lager mit Sonderstatus“

Dieser Lagertypus war unter Lagerinsassen bekannt als „Vernichtungslager“, „Hungerlager“ oder „Todeslager“. Davon betroffen waren alle arbeitsunfähigen Banater Deutschen, also Kinder bis 14 Jahre, Menschen über 60 Jahre, Kranke und Mütter von Kindern unter 2 Jahren.

Insgesamt wurden 10 solcher Vernichtungslager in Tito-Jugoslawien errichtet, im Banat selbst zwei. Im September 1945 in Molidorf/Molin und im Oktober 1945 in Rudolfsgnad/Knićanin. Letzteres gilt heute als das schrecklichste Lager, in dem die meisten Donauschwaben, es handelt sich um 11 000 Tote, ihr Leben ließen.[72] Einer der wenigen Überlebenden dieses Vernichtungslagers ist Wenzel Jäger. Aus diesen zwei Gründen werde ich genauer auf „Rudolf“, wie es von den Lagerinsassen genannt wurde, eingehen.

 

Über diese 3 Lagertypen hinaus gab es eigene Kranken- und Kinderlager.

Unter Krankenlager versteht man eine Art Zivillager für alte, arbeitsunfähige Menschen, die ohne jegliche ärztliche Versorgung elend zu Grunde gingen. Insassen von Kinderlagern waren Vollwaisen, deren Angehörige, wie Eltern und Großeltern verschollen oder in den Lagern umgekommen sind. Überlebende solcher Kinderlager wurden später zum Großteil in Kinderheimen untergebracht oder assimiliert.[73]

5.7      Das Vernichtungslager Rudolfsgnad / Knićanin

Da dieses Vernichtungslager als das schrecklichste seiner Art im damaligen Jugoslawien galt und Herr Wenzel Jäger, wie der Großteil seiner Lazarfelder Verwandten und Bekannten, Internierter dieses Lagers war, werde ich genauer auf dieses eingehen.

Wie andere „Lager mit Sonderstatus“ lag auch dieses am Rande eines deutschen Wohngebietes, durch zwei Flüsse von der Außenwelt getrennt. Die verkehrstechnisch gute Lage begünstigte den Aufstieg dieses Lagers zum größten Vernichtungslager für die Donauschwaben.

Die Internierten kamen hauptsächlich aus dem Mittel- und Südbanat. Die durchschnittliche Anzahl der Internierten lag bei 17 200, wobei es immer wieder aufgefüllt wurde. Sank die Zahl der Insassen um 5000, so löste man kleinere Lager auf, um diese dann nach Rudolfsgnad zu bringen. Es bestand nur für etwa 29 Monate, von Oktober 1945 bis März 1948, konnte aber eine geschätzte Zahl von 11 000 Todesfällen erreichen. Todesursachen waren Seuchen, wie Typhus und Malaria aber auch Unterernährung. [74]

5.7.1      Die Errichtung

900 der 3200 deutschen Bewohner von Rudolgsgnad sind nicht geflüchtet. Am 27. Dezember 1944 sind die jungen Rudolfsgnader Frauen zur Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert worden. Am 14. April 1945 mussten die Bewohner ihre Häuser verlassen und sind geschlechtergetrennt zusammengepfercht worden. Ab dem 10. Oktober 1945 begann das Tito-Regime mit der Internierung tausender deutscher Zivilpersonen in „Rudolf“ [75].

Es wurden folgende Heimatlager nach Rudolfsgnad geleitet: Karlsdorf, Ernsthausen, St. Georgen an der Bega, Banater Brestowatz, Weißkirchen, Georgshausen, Glogon, Elemir, Apfeldorf, Modosch, Kathreinfeld, Klek, Rudolfsgnad, Kubin, Franzfeld, Lazarfeld, Zichydorf, Sigmundfeld, Mramorak, Nakovo, Pantschowa, Ploschitz, Sartscha, Setschanfeld, Sanddorf, Čestereg, Stefansfeld.“[76]

Die Internierten sind nach ihren Herkunftsorten getrennt auf das Lagergelände aufgeteilt worden. Die Gefangenen wurden nach ihrer Ankunft in den mit Stroh ausgelegten, leerstehenden Häusern untergebracht. [77] 20 bis 30 Internierte bewohnten ein solches Haus, das Stroh wurde während der gesamten Lagerzeit weder gewechselt noch erweitert. Waschgelegenheiten für die eigene Hygiene oder die Bekleidung gab es kaum.[78] Es entstanden eigene Teillager an deren Spitze jeweils ein Partisan als Kommandant und ein „Komesar“ oder eine „Komesarin“ bzw. „Kommandierin“ stand. Darunter verstand man eine internierte Person, die für die Lagerleitung die täglichen Todesfälle ihres Teillagers aufschreiben musste. Eigene Notizen anzufertigen stand unter Todesstrafe. Außerdem musste die „Kommandierin“ dafür sorgen, dass alle Arbeitsfähigen erfasst wurden und zum Arbeitsdienst erschienen. [79]

5.7.2      Nur ein einziger Gedanke: Hunger

Eine Zeitzeugin erinnert sich: „Anfangs gab es noch die übliche Lagersuppe zu essen, bald aber auch nicht einmal mehr diese. Im Winter wurde die Suppe nur mehr selten gekocht, so daß(sic) es oft lange Zeit nur rohen Maisschrot zu essen gab. Die Maiskörner waren meist mit dem Kolben zusammen geschrotet worden. Insgesamt 2 ½ kg solchen Schrotes gab es pro Kopf und Monat und weiter nichts. Wir kochten uns damit Suppe, die meist auch ungesalzen blieb, weil wir Salz nur selten bekamen. Auf den Dachböden konnte man damals noch kleinere Mengen Weizen, Mais, Bohnen oder sonst was finden. Es war wertloses Korn, das dort liegen geblieben war. Die Verwertung dieser wertlosen Kornreste war strengstens verboten.“[80]

Auch Wenzel Jäger betonte im Interview mehrmals, dass das ständige Hungergefühl und das Wissen den leeren Magen nicht füllen zu können, einer der schrecklichsten Aspekte des Lagerlebens war.

Die Lagerinsassen waren zur Arbeit verpflichtet. Versuche, sich an der Arbeitsstelle Nahrung zu beschaffen, wurden hart bestraft. Zeitzeuge Wenzel Jäger beschreibt die Situation so: „Für die Erwachsenen und die arbeitsfähigen Kinder gab es die Feldarbeit, die auch ich täglich ausgeführt habe. Ich musste Zuckerrüben händisch vereinzeln. In der Früh mussten sich alle an einem bestimmten Platz aufstellen und wir wurden von Knechten gezählt. Gebildet waren diese nicht. Es kam vor, dass sie sich verzählt haben und so konnte der Zählvorgang  Stunden dauern. Diese Prozedur vor und nach der Arbeit, Tag für Tag. Die Abzählung war auch eine Art der Schikane. (…)und ich habe mich auf die Arbeit auf den Feldern wirklich gefreut. Denn dort, das habe ich anfangs noch geglaubt, könnte man sich doch, wenn gerade kein Wächter hersieht, eine Zuckerrübe oder eine Kartoffel einstecken oder vor Ort essen. Das war aber leider ein Irrtum! Denn wenn ich das Glück hatte, beim Diebstahl nicht sofort erwischt zu werden, so flog dieser spätestens bei der Kontrolle bzw. Durchsuchung der Kleidung, die jeden Abend stattfand, auf. Die übliche Strafe waren Schläge, Tritte oder Arrest, d.h. tagelang ohne Nahrung in einem Keller die Zeit totzuschlagen. Bei solchen Bestrafungen sind auch Menschen gestorben: hat ein Wächter zu fest zugeschlagen, kam es vor, dass Gefangene an diesen Verletzungen zugrunde gingen.“[81]

Doch nicht nur der Arbeitsplatz wurde zur Lebensmittelbeschaffung herangezogen, sondern auch umliegende jugoslawische Gemeinden. Dazu musste man aber einen Fluchtversuch aus dem Lager unternehmen und sich dann mit der erbettelten Ware wieder hineinschleichen. Das bedeutete eine mehrmalige Überwindung der bewaffneten Wachen. Wurde man beim Ausbruch entdeckt hatte man mit Schlägen und Kellerarrest zu rechnen. Erwischten die Wachen einen beim Versuch unbemerkt ins Lager hineinzukommen, war die Strafe üblicherweise härter. Erstens, und das war der schlimmste Aspekt, wurden einem die Lebensmittel, die für die hungernden Verwandten gedacht waren, abgenommen. Zweitens bekam man Prügel, die oft tödliche Verletzungen verursachten. Drittens, sollte man noch am Leben sein: Arrest. Dieser Arrest bedeutete für viele den Tod. Zum größten Teil versuchten es Kinder mit Ausbrüchen, da sie am ehesten Erfolg beim Betteln haben würden. Dabei muss man erwähnen, dass die jugoslawische Bevölkerung ihr eigenes Leben aufs Spiel setzte, wenn sie solche Bettler unterstützte. Trotz dieser Gefahr und der eigenen Not haben sie ihre Lebensmittel oft mit den ausgebrochenen Lagerinsassen geteilt. Eine kurze Anekdote eines Ausbruchs, den er mit einem Freund beging: „  wir hörten  auf einmal einen Pfiff. Total erschocken und verängstigt, wussten wir nicht, was wir tun sollten, aber weglaufen hatte in dieser Gegend (weil Flachland) keinen Sinn. Also mussten wir wohl oder übel dem Pfiff und den darauffolgenden Rufen, die wir leider nicht verstanden, weil sie serbisch waren, folgen. Wir sahen dann einen Mann, der uns mithilfe von Handzeichen zu sich lotste. Der erkannte aber sehr schnell, dass wir Deutsche waren und kein Serbisch konnten. Er rief einen anderen Mann zu sich, der in der Lage war Deutsch zu sprechen. Dieser fragte uns, was wir hier zu suchen hätten und mir fiel eine passende Notlüge ein: „Wir mussten ein Pferdefuhrwerk von der Kolchose überstellen und gehen jetzt wieder zurück.“ Ich war unheimlich stolz, dass mir so eine plausible Erklärung in den Sinn kam, doch aus heutiger Sicht betrachtet, bin ich mir  ziemlich sicher, dass der Mann wusste, dass es sich um eine Lüge handelte. Und mit dem, was danach folgte, hat keiner von uns gerechnet. Der Mann fragte uns doch tatsächlich, ob wir Hunger hätten“[82]

Die Verzweiflung und das andauernde Hungergefühl veranlasste Menschen Sand zu essen und sämtliche Sträucher und Pflanzen zu verkochen. „Wenn ein Stück Vieh verendete, sind bis zu tausend Menschen in das Haus gekommen, wo der Pferde-. oder Kuhkadaver lag, um sich ein Stück Fleisch loszuschneiden. Mit Messern ausgerüstet, drängten sie sich um den Kadaver herum, um an die Reihe zu kommen. Nicht lange dauerte es, da gab es keine Hunde und Katzen mehr.“[83] Da das Fleisch oft ungekocht verzehrt wurde, Brennmaterial gab es fast keines mehr und für die Lagerinsassen wurde dieser kleine Restbestand nicht verschwendet, kam es zu Massensterben infolge von eigentlich harmlosen Erkrankungen, wie Durchfall. [84]

5.7.3       Der Umgang mit den Verstorbenen

Skorbut, Dyphterie, Hungerödeme, Typhus, Malaria, Läuseplagen waren die Folgen von übermäßiger Anstrengung bei Unterernährung und von den miserablen hygienischen Zuständen.

Weggeschafft wurden die Leichen mit Wagen, die von Lagerinsassen zu Massengräbern außerhalb der Lageranlage gezogen wurden. „Die Toten hüllt man in Säcke oder Lumpen ein und legt sie vor die Haustüre. Morgens poltern Wagen durch Rudolfsgnad. Fast an jeder Haustüre hielten sie an. Wie Holzscheite werden die Gestorbenen auf die Leiterwagen geschlichtet. Schwer beladen rumpeln sie mit ihrer unheimlichen Fracht zum Friedhof. Gewaltige Massengräber warten dort auf die Opfer. Kein Priester spricht ein Gebet. Dumpf prallen die Leichen auf dem feuchten Boden auf.“[85] Grabzeichen waren verboten, ein Trauerzug auch. Keiner durfte einem Leichenwagen zu Fuß folgen, um auf diese Weise Abschied zu nehmen. Eine Totenmesse oder öffentlich zu beten war ebenfalls verboten. Niemand durfte wissen, wo sich die Gräber befinden.[86] Täglich sterben 80 – 90 Personen, zu Zeiten von Epidemien erreichte man Rekordzahlen von 150 Verstorbenen pro Tag. [87]

5.7.4      Verbesserung der Umstände

Ab Mai 1946 konnten sich reiche jugoslawische Bürger auch aus dem Lager Rudolgsgnad Arbeitskräfte erkaufen. Das bedeutete die Rettung oder zumindest vorübergehenden Abstand vom Elend im Lager. Man musste natürlich auch schwer schuften; im Gegensatz zum Lagerleben war die Versorgung aber besser und das machte das Leben erträglicher. Allerdings konnten sich nur wenige Bürger Lagerarbeiter leisten, somit war die Verbesserung der eigenen Lebensumstände nicht von langer Dauer und man war oftmals wieder Lagerinsasse.

Ab dieser Zeit war es auch gestattet Pakete zu erhalten. Jugoslawische Freunde versuchten ihre ehemaligen Bekannten und Nachbarn mit Lebensmitteln und Kleidung so gut sie konnten zu versorgen. Die Pakete wurden von den Wächtern kontrolliert und durchsucht, manchmal bedienten sie sich selbst daran. Der erhoffte Kontakt zur Außenwelt blieb aber aus, denn es war verboten, mit Spendern zu sprechen. [88]

Auch Hilfe von Verwandten aus dem Ausland, die mittlerweile in Übersee beheimatet waren, erreichte die Lagerinsassen. Darüber hinaus veranstaltete das Internationale Rote Kreuz gegen Ende 1947 eine Care-Aktion und beschenkte das Lager mit Lebensmitten und Kleidung. [89]

5.7.5      Das „Lagerlied“

Dieses Lied, von den Internierten des Vernichtungslagers Rudolfsgnad selbst gedichtet, soll noch einmal die Qualen einer Lagergefangenschaft verdeutlichen. Zeitzeugin Eva Kern stellte mir den Text zur Verfügung.

 

An der Theiß gelegen, da liegt ein Dörflein,

‚Rudolf’ wird das Dorf genannt.

Wo so viele Frauen und Kinder

in das Lager verbannt.

 

Traurig sitzen wir und weinen,

denken an das Heim zurück.

Wird die Sonne noch für uns scheinen,

ob uns blüht noch mal das Glück?

 

Viele Kinder sind verloren,

haben keine Eltern mehr,

wären sie lieber nicht geboren,

es ist ihnen ewig, ewig schwer.

 

Weit in Rudolfsgnad, in der Ferne,

sind die Mütter fortgeschleppt.

Und die Kinder hätten gerne

mit den Eltern fortgelebt.

 

Vater, lass die Tränen fließen,

Mütter weinen um ihr Kind,

können das Leben nicht genießen,

weil sie voneinander sind.

 

Das sind deutsche Schicksalsschläge,

doch wir Deutsche zagen nicht.

Und wir tragen’s tapfer weiter,

wie es der Herrgott uns auch gibt.

 

Doch wir beten stündlich, täglich

um ein frohes Wiedersehen,

ist es auf Erden auch nicht möglich,

werden wir uns oben wieder sehen.

5.8      „Altenheime“, „Spitäler“ und „Kinderheime“

In allen großen Massenlagern gab es eigene „Altenheime“, aus denen keiner lebend entkam. Es waren reine Sterbeorte, für ärztliche Betreuung und Verpflegung war nicht gesorgt. War die Lebenserwartung von alten Lagerinsassen gegen Null vorangeschritten, kamen sie in solche Institutionen und starben kläglich.

In den „Spitälern“ war die Verpflegung besser, es gab Betten, jedoch reichte auch hier die Ernährung nicht aus, um die geschwächten Körper am Leben zu erhalten.

Ein besonders dunkles Kapitel der Vernichtung der Donauschwaben sind die „Kinderheime“. Sie bestanden aus riesigen Sälen, voll mit verwahrlosten, sterbenden Kindern. „Fast alle hatten die Krätze, vereiterte Mundwinkel, ja bei manchen waren schon Teile der Wangen weggefault und die Zähne waren wie bei einem Skelett zu sehen. Die meisten weinten verhalten und kraftlos, dennoch war das Stöhnen dieser armen Kinder auch außerhalb des Hauses zu hören.“[90]

Ab Sommer 1946 wurden Kindertransporte veranlasst, die die Waisen, ausgenommen Kleinkinder und Arbeitsfähige, auf die staatlichen Kinderheime aufteilten und einer Assimilierung unterzogen. Ehemals in Gefangenschaft wurden sie nun in den jugoslawischen Staatsverband integriert.[91]

5.9      „Schwarze“ und „weiße“ Flucht aus den Lagern

Unter „schwarzer“ Flucht verstand man eine Flucht, die heimlich, also ohne Wissen der Lagerleitung unternommen wurde. Diese Art wurde ab Sommer 1946 teilweise geduldet bzw. erst beim täglichen Abzählen der Gefangenen bemerkt. Die zweite Art zu flüchten war die „weiße“ Flucht. Die Lagerleitung oder einzelne Wachen wurden bestochen, man kam sicher aus dem Lager heraus. Der Geldbetrag war hoch, nur wenige konnten es sich leisten. Die „weiße“ Flucht existierte nur 1947, danach war die „normale“, also die „schwarze“ Flucht die einzige Möglichkeit, aus den Lagern zu entkommen[92]. Das Hauptfluchtjahr der Donauschwaben Jugoslawiens war 1947, wobei davon hauptsächlich die Lager Gakowa und Kruschiwl betroffen waren. Insgesamt sind etwa 35 000 Donauschwaben nach Ungarn und Rumänien geflüchtet. [93]

5.10  Auflösung der Lager

Die Auflösung der Vernichtungslager begann Anfang 1948. Um die Art und Weise der Auflösung besser verstehen zu können, folgt ein Zitat von Herrn Jäger, es handelt dich hierbei um die Auflösung des schlimmsten Todeslagers, Rudolfsgnad: „Am Ostersonntag 1948 war es dann soweit: Wir bekamen den Befehl, zu packen! Was wir packen sollten, war uns ein Rätsel, weil wir ja nichts hatten. Jedenfalls sind wir in Viehwagons gezwängt worden. Der Transport musste aber alle 2 Stunden unterbrochen werden, um die  Verstorbenen aus dem Wagon zu werfen! Die Fahrt ins Ungewisse dauerte den ganzen Tag. Die Nacht verbrachten wir auf einer Wiese im Nirgendwo. Zu Essen und Trinken gab es nichts. Am nächsten Tag sind dann Pferdefuhrwerke, auf die potenzielle Arbeitskräfte aufsteigen mussten, gekommen. 500-600 waren wir insgesamt, 60, vielleicht 70 Menschen mussten auf die Fuhrwerke. Ich nicht. Am 3. Tag hieß es dann: „Alle aufsteigen!“ Die Schwächeren durften auf den Pferdefuhrwerken, die auch an diesem Tag kamen, Platz nehmen, der Rest folgte ihnen zu Fuß. Stunden später kamen wir zu einer Kolchose, die den Namen Jabučki Ried (dt.: Apfeldorf) trug.“

Alle ehemaligen Lagerinsassen mussten sich nun für 3 Jahre zu einem sogenannten „vertraglichen Arbeitsverhältnis“ zwangsweise verpflichten.

Üblicherweise waren sie gezwungen außerhalb ihrer ursprünglichen Wohngebiete in Bergwerken, auf Staatsgütern, Kolchosen und in den staatlichen Industriebetrieben zu arbeiten.

Nach drei Jahren Zwangsarbeit konnten Donauschwaben bei den jugoslawischen Behörden um Ausreise ansuchen. Hatte man zuvor die jugoslawische Staatsbürgerschaft angenommen, musste man sich von dieser erst loskaufen. Der verlangte Geldbetrag betrug oftmals ein Vielfaches des Monatseinkommens. In den ersten zehn Jahren betrug die Anzahl der Deutschen, die Jugoslawien verließen 62 000, bis 1985 stieg diese auf 87 600. [94]

Zur Auflösung der Lager kam es auf Druck der UNO und des Roten Kreuzes, das sich auch um die Familienzusammenführung bemühte. Hatte man Verwandte in westeuropäischen Ländern oder in Übersee, so war die Chance auf eine erfolgreiche Ausreisegenehmigung groß. Allerdings setzte das natürlich voraus, dass die im Ausland lebenden Verwandten sich ihrerseits auch, um eine Familienzusammenführung bemühten. Erschwert wurde einem der Wiederbeginn im Westen, wenn man die jugoslawische Staatsbürgerschaft angenommen hatte.

5.11  Opferzahlen

Von den insgesamt 700 000 Jugoslawiendeutschen[95] könnten etwa 50% nicht fliehen, hauptsächlich waren davon die Banater Schwaben betroffen[96]. Rund 200 000 waren nach Abzug der Deutschen Wehrmacht geblieben, 170 000 von ihnen wurden in Lager interniert. In den Lagern mussten 51 000 Menschen, darunter 6 000 Kinder unter 14 Jahren ihr Leben lassen. Dazu kommen die Verluste an Zivilpersonen: die im ‚blutigen Herbst 1944’ ermordeten 1500 Zivilisten, die durch Erschießungsaktionen zwischen November 1944 und März 1945 9 500 Zivilisten und die 2000 in die UdSSR Deportierten. Insgesamt beläuft sich die Zahl der zwischen 1944 bis 1948 verstorbenen Jugoslawiendeutscher Zivilpersonen auf 64 000. Das war nach damaligem Bevölkerungsstand jeder dritte Deutsche.[97]

 

Im Oktober 1948 behauptete Vladimir Dedijer, der später eine Biographie Titos schrieb auf einer Vollversammlung der UNO, dass in der Volksrepublik Jugoslawien eine Diskriminierung von Menschen völlig ausgeschlossen sei. [98]

6           Das Leben danach

Die Überlebenden haben Zuflucht und neue Heimat in mehr als 15 Staaten in aller Welt gefunden. Mehr als 479.000 von ihnen leben heute in Deutschland, 346.000 in den USA, Kanada und Südamerika, 123.000 in Österreich, weitere in Frankreich, in Australien und in einigen anderen Ländern. Im ehemaligen Jugoslawien ca.15.000, in Ungarn ca.220.000 und in Rumänien ca.25.000.“[99]

6.1        Österreich

Da der von mir interviewte Zeitzeuge seine neue Heimat in Österreich gefunden hat, werde ich nur auf die Lage in Österreich und wie sich der Umgang mit den Donauschwaben hier zu Lande entwickelt hat, eingehen.

Die erste große Besiedelungswelle von Donauschwaben, die nach Österreich flüchteten, fand von 1944 – 1947 statt. Das waren die bereits erwähnten Fluchtbewegungen der deutschen Bevölkerung vor der Roten Armee bzw. den Tito-Partisanen. 10 600 von ihnen waren aus dem Banat, die alle eigenständig[100] und unorganisiert ihre Flucht antraten.[101]

Den Eingliederungsprozess der Donauschwaben, die von der Internierung in die Arbeits- und Vernichtungslager betroffen waren, in die österreichische Gesellschaft kann man in 3 Phasen unterteilen.

Die erste Phase, ist um 1950 anzusiedeln und beschreibt die Zeit unmittelbar nach der Ankunft. In Österreich herrschten ungünstige Bedingungen. Es war die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg: Nahrungsmittelknappheit, Armut, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot. Eine schlechtere Ausgangslage ist nicht denkbar. Die alliierten Besatzungsmächte stuften die Donauschwaben als Belastungs- und Destabilisierungsfaktor ein und planten die sofortige Abschiebung nach Deutschland. Aus diesen Plänen wurde nichts, die Flüchtlinge wurden in Baracken, Schulen, Bauernhöfen und Privathäusern untergebracht. Den Großteil der Flüchtlinge verschlug es nach Oberösterreich, wo besonders viele Barackenlager existierten, die während des Zweiten Weltkrieges zur Unterbringung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern errichtet worden waren. Zeitzeuge Wenzel Jäger beschreibt die Situation vor seiner Ankunft folgendermaßen: „Nachdem mein Vater 1947 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, suchte er Arbeit und wurde beim Ennskraftwerk in Großraming fündig. Gelebt hat er damals im Flüchtlingslager. Als wir 1950 in Österreich ankamen, hat er den Betreibern des Lagers davon erzählt und um eine Wohnung gebeten. Es war sogar eine 2-Raum Wohnung in einer Baracke frei, die wir auch zugesprochen bekamen.“[102]

Doch die Anfangszeit war schwierig. Laut österreichischem Innenministerium lebten Anfang der 50er Jahre ca. 170 000 Donauschwaben in Österreich. Davon waren nur 28 000 eingebürgert, der Rest war staatenlos. Die Erlangung der Staatsbürgerschaft war damals mit hohen Kosten verbunden, viele konnten und wollten sie sich nicht leisten. Aus dieser Staatenlosigkeit resultierte ein Ansuchen um eine Beschäftigungsgenehmigung und Benachteiligung in Berufsfragen.

 

In der zweiten Phase der Eingliederung, von den späten 50er Jahren bis Anfang der 60er verbessert sich die Lage der Donauschwaben in Österreich enorm. Eine entscheidende Rolle spielte dabei die wirtschaftliche Stabilisierung Österreichs. Es begann eine konstruktive Eingliederungspolitik, die auch von internationalen Organisationen, wie der UNO und der Caritas unterstützt wurde. Ein Highlight der Eingliederungspolitik war das Wohnbauförderungsgesetz von 1954, das die gezielte Förderung des Wohnbaus für Volksdeutsche, also auch für Donauschwaben sicher stellte. Doch nicht nur im sozialen Bereich konnte man in den 50ern Erfolge verbuchen, auch im wirtschaftlich-beruflichen machte man große Fortschritte. Gesetze, die die Gleichstellung von nichteingebürgerten Flüchtlingen und Österreichern in Arbeitsfragen, gewährleisteten, wurden verabschiedet. Darüber hinaus ermöglichte das sogenannte Optionsgesetz eine einfachere und schnellere Abwicklung der Staatsbürgerschaftsanträge.

 

Die dritte Phase der Integration der Donauschwaben erfolgte in den sechziger Jahren. Die wirtschaftliche und soziale Integration war weitgehend geglückt, der in Österreich erlangte Lebensstandard war zufriedenstellend. Im Weltflüchtlingsjahr 1960 konnte man etwa 350 000 volksdeutsche Heimatvertriebene als Staatsbürger in die österreichische Republik eingliedern.[103]

Der einzige Faktor, der für viele bis heute unerreicht blieb, ist die emotionale Eingliederung. Trotz der Staatsbürgerschaft fühlt sich die erste Generation, also die die nach Österreich flüchten musste, nach wie vor nicht als Österreicher, sondern als Volksdeutsche[104]. Bei den folgenden Generationen ist dieser Umstand nicht mehr gegeben. Sie wissen zwar um ihre Abstammung, fühlen sich aber durchwegs mit der Republik Österreich verbunden. Auch das ist verständlich, sind sie schließlich in Österreich geboren und aufgewachsen und kennen die Heimat ihrer Vorfahren meistens nur aus Erzählungen.[105]

6.2      Die heutige Situation

Heutzutage sind unterschiedliche Organisationen und Einzelkämpfer im In- und Ausland bemüht, das Schicksal der Donauschwaben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Eine der wichtigsten Organisationen ist zweifellos der VLÖ ( = Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften in Österreich), der sich wie folgt selbst beschreibt: „Der Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs (VLÖ) bildet als Dachorganisation der Altösterreicher deutscher Muttersprache aus den Gebieten der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie den Mittelpunkt des gemeinsamen regionalen und überregionalen Wirkens der Heimatvertriebenen in Österreich. Seine Aufgabe liegt in der Bewahrung der Identität der einzelnen Volksgruppen, deren Einbringung ins öffentliche Bewußtsein (sic) und in der Bekämpfung von Unrecht sowie in der Durchsetzung der Menschenrechte.“[106]

Mit Forderungen wie „Anspruch auf völkerrechtliche Anerkennung des erlittenen Unrechts“, die „Aufhebung jener Beneš-Dekrete und AVNOJ-Gesetze, die dem Genozid und der Vertreibung als Grundlage dienten“, „eine Aufhebung jener gesetzlichen Bestimmungen, die eine Schuldfreistellung der Straftäter zum Inhalt hatten“ und die „Forderung nach raschen Verhandlungen über die Restitution sowie Vermögensfragen unter Einbeziehung der Betroffenen“ konfrontieren sie unter anderem die Republik Österreich und die EU. [107]

Der VLÖ besteht aus den österreichischen Landsmannschaften und aus verschiedenen Unterorganisationen, die sich alle für die Bewusstmachung des Schicksals der Donauschwaben einsetzen. Sie organisieren immer wieder Ausstellungen, geben eine eigene Zeitung heraus und kooperieren eng mit der österreichischen Politik, wie es die unterschiedlichen Vertriebenensprecher von SPÖ (= Sozialdemokratische Partei Österreichs), ÖVP (= Österreichische Volkspartei), FPÖ (=Freiheitliche Partei Österreichs), Grüne (= Die Grünen) und BZÖ (= Bündnis Zukunft Österreich) beweisen.

Ein historischer Erfolg, den der VLÖ zu verbuchen hat, war das eigens initiierte Grundsatzprogramm, das am 31. Mai 2006 im österreichischen Parlament vorgestellt wurde. Dieses verpflichtet zu der Förderung der deutschen Minderheiten in Ost-, Mittel- und Südosteuropa und zu der Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte. [108]

6.3      Jugoslawien danach

Ich möchte der Vollständigkeit halber auf die Situation Jugoslawiens ab 1948 eingehen. Ich werde aber nur die wichtigsten Ereignisse kurz schildern, da eine ausführliche Betrachtung der komplizierten jugoslawischen Geschichte im Kalten Krieg, den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Jugoslawien war in den Zeiten des Kalten Krieges immer ein angesehener Staat, den man als einzigen, funktionierenden sozialistischen Staat sah, der nicht von der Sowjetunion abhängig war. Den Problemen, mit denen Jugoslawien seit seiner Gründung konfrontiert war, schenkte man international kaum Beachtung. Die jugoslawische Außenpolitik war vor allem durch ihren positiven Einsatz in der Bewegung der blockfreien Staaten gekennzeichnet und für dieses Engagement auch angesehen. Innenpolitisch sah die Lage aber trist aus. Das bedeutendste Problem waren die Nationalitätenkonflikte, die mit Unruhen begannen und in den Jugoslawienkriegen gipfelten. Begünstigt wurden diese Nationalitätenkonflikte durch die wirtschaftliche Ungerechtigkeit der einzelnen Teilrepubliken und durch deren Unabhängigkeitsbestrebungen. Ein wesentlicher Faktor war auch der Tod Titos am 4.Mai 1980, nach dem Bürgerkriege nur mehr eine Frage der Zeit waren. Den Anfang der Jugoslawienkriege, auch bekannt als der Balkankonflikt, machte der 10-Tage-Krieg Sloweniens 1991. Es folgten der Kroatienkrieg von 1991 – 1995, der Bosnienkrieg von 1992 – 1995 und der Kosovokrieg 1999. Die Unabhängigkeitserklärungen[109] der einzelnen Teilrepubliken führten zum Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawiens. Serbien und Montenegro bildeten deren Nachfolgestaat, der von 1992 – 2003 als Bundesrepublik Jugoslawien bestand. Bis 2006 hieß es Serbien-Montenegro, seitdem spricht man nur noch von der Republik Serbien. [110]

7         Tatbestand des Völkermordes

Das Völkermordverbot ist festgelegt in Artikel II der Konvention über die Bestrafung und Verhütung des Völkermordes vom 9. Dezember 1948. Dieser lautet: „In dieser Konvention bedeutet Völkermord eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören:

(a)   Tötung von Mitgliedern einer Gruppe;

(b)   Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;

(c)    vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen, für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;

(d)   Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind;

(e)    gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.“[111]

Eine dieser Handlungen muss verwirklicht worden sein, um von Genozid sprechen zu dürfen. Bei (a), (b), (c) und (e) besteht kein Zweifel. Zu vorsätzlichen Tötungen kam es insbesondere im „blutigen Herbst 1944“ und in den Internierungslagern. Um schweren seelischen oder körperlichen Schaden handelt es sich bei Foltermaßnahmen, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Verfolgung, auch das ist Faktum. Unterpunkt (c) ist mit der Internierung in die Vernichtungslager, der völligen Entrechtung und der systematischen Vertreibung der Gruppe auch erfüllt. Auch der letzte Unterpunkt trifft zu, da man Waisenkinder deutscher Abstammung in jugoslawischen Kinderheimen einer Assimilierung unterzogen hat. Der objektive Tatbestand des Völkermordes ist damit vorhanden.

Bei der angesprochenen Gruppe handelt es sich aber nicht um die Donauschwaben an sich, sondern um die Jugoslawiendeutschen.[112] Das waren neben einem Teil der Donauschwaben auch Gottscheer und Deutsch-Untersteirer. Da sie sich zu mindest in ihrer Sprache glichen, kann man von einer ethnischen Gruppe sprechen. Der Vorwurf des Völkermordes wird dem Staate Jugoslawien zu Recht gemacht, da dieser die völkerrechtswidrigen Handlungen seiner Staatsangehörigen, also der Tito-Partisanen, nicht unterbunden hat. [113]

Die in Jugoslawien zwischen 1944 und 1948 gegen die gesamte, seit Generationen (und schon lange vor Einverleibung dieser Gebiete in Jugoslawien) dort bodenständige deutsche Volksgruppe ergriffenen Maßnahmen, die neben Massentötungen die kollektive Enteignung und Entrechtung, die Internierung und Vertreibung sowie die zwangsweise ethnische Umerziehung von Kindern umfaßten(sic), ergeben im Sinne der Völkermordkonventionen der Vereinten Nationen vom 9.Dezember 1948 den objektiven und subjektiven Tatbestand des Völkermordes.[114]

 

 

Anhang I: Die Vertreibungsakte

die Vertreibungsackte

Übersetzung

DER AUSWÄRTIGE DIENST
DER
VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Amerikanische Botschaft
Belgrad, Jugoslawien
30.September 1947

GEHEIM
Betrifft: Sperrgebiet in Jugoslawien
Der Ehrenwerte
Sekretär des Staates,
Washington, D.C.
Sehr geehrter Herr,
Ich habe die Ehre, mich auf das Telegramm Nr. 629vom 22.Sept.l947 des Departements zu beziehen, in dem Informationen zu Sperrgebieten und möglicher Sklavenarbeit in Jugoslawien erbeten werden. Eine Untersuchung von Akten der Botschaft, zusammen mit Informationen, die vom Botschaftspersonal und Vertrauenspersonen stammen, offenbarte folgendes als Antwort auf die im Telegramm des Departements gestellte Frage:
Evakuierungsgebiete: 1944 und 1945 hat die jugoslawische Regierung schätzungsweise 150.000 Deutschstämmige aus den Provinzen Banat und Batschka weggeschafft. Diese Menschen wurden auf zahlreiche Konzentrationslager in ganz Jugoslawien verteilt.
Schätzungsweise 100.000 jugoslawische Bauern wurden aus Montenegro, Lika und der dalmatinischen Küste geholt und in die konfiszierten Bauernhöfe im Banat und in der Batschka gebracht. Diesen Menschen wurde diesbezüglich keine Wahl gelassen. Die oben angegebene Schätzung ist zurückhaltend und basiert auf Informationen von Geistlichen, Bauern und Reisenden dieser Regionen, die das Konsulat durchlaufen haben. Eine genaue Schätzung ist schwierig festzustellen, da vor dem Krieg schätzungsweise 500.000 Menschen in den Provinzen Banat und Batschka lebten. Alle Ungarn und Deutschen, die Jugoslawen heirateten, durften ebenso in diesen Gebieten bleiben wie die, die mit den Partisanen zusammen kämpften.
Sperrgebiete: Es sind keine größeren verbotenen Gebiete in Jugoslawien bekannt. Je nach Betrachtungsweise ist jedoch ganz Jugoslawien für Fremde verboten, die nicht auf der Diplomatenliste stehen. Man muss eine Erlaubnis beim Innenministerium einholen, wenn man sich mehr als 10 km von seinem Stationierungspunkt wegbegeben will. Man glaubt, dass diese Aktion deshalb gemacht wird, damit die jugoslawische Polizei die Bewegungen von Fremden/Ausländern in ihrem Land besser kontrollieren kann. Alle Armeelager, Baracken, Gefängnisse, Flughäfen usw. sind verboten..."
GEHEIM

 

 


 

Anhang II: Die Lager der Tito-Partisanen 1944 – 1948

 

Gebiet

Arbeitslager

Banat

Lager „Milchhalle“ in Groß-Kikinda

Lager „Alte Mühle“ in Groß-Betschkerek

Lager „Stoikowitsch-Telep“ in Werschetz

Lager „Stockhaus“ in Weißkirchen

Lager Schuschara

Bezirkslager Kalsdorf

Lager „Fischplatz“ in Pantschowa

Lager Banat-Brestowatz

Lager „Seidenfabrik“ in Kubin

Bezirkslager Mramorak

Batschka

Neusatz

Palanka

Barackenlager in Sombor

Bezirkszentrallager Apatin

Hodschag

„Seidenfabrik“ in Werbaß

Sekitsch

„Stärkefabrik“ in Subotica

Syrmien

Kalvaria/Kalvarienberg

 

 

Vernichtungslager[115]

Bestandsdauer

durchschnittliche Anzahl der Internierten

Todesfälle

Todesursachen

 

Molidorf / Molin

September 1945 – April 1947, also 20 Monate

5 000 – 7 000

3 000

Unterernährung, Flecktyphus, Malaria, Wassersucht

Banat

Rudolfsgnad / Knicanin

Oktober 1945 – März 1948, also 29 Monate

17 200

11 000

Typhus, Malaria, Unterernährung

Jarek / Backi Jarak

Dezember 1944 – April 1946, also 16,5 Monate

15 000

7 000

Fleckfieber, Dystrophie, Ruhr

Batschka

Gakowa / Gokovo

März 1945 – Jänner 1948, also 33 Monate

17 000

8 500

Unterernährung, Typhus, Malaria, Ruhr

Kruschiwl / Kruševlje

März 1945 – Dezember 1947, also 33 Monate

7 000

3 500

Unterernährung, Typhus, Ruhr

Svilara / Sremska Mitrovica

August 1945 – Mai 1947, also 21 Monate

1 200

2 000

Hunger, Kälte, Typhus, Ruhr

Syrmien

Kerndia / Krndija

August 1945 – Mai 1946, also 9 Monate

3 000

1 500

Hunger, Flecktyphus

Slawonien

Walpach / Valpovo

Mai 1945 – Mai 1946, also 12 Monate

3 000

1 200

Dystrophie, Dysenterie, Flecktyphus

Sterntal

Das waren Vernichtungslager für slowenische und kroatische Soldaten, die auf deutscher Seite gekämpft hatten, für slowenische "Klassenfeinde" sowie allgemein für Gottscheer und Deutsch-Untersteirer. Errichtet wurden diese in Slowenien bzw. der Untersteiermark. Heutigen Schätzungen zu Folge gab es in beiden Lagern zusammen 2 000 Tote.

Tüchern

 

 

Krankenlager im Banat[116]:

Banatski Karlovac (Karlsdorf)

Ravni Topolovac, vorh.Banatski Topoloyac (Kathreinfeld; Katarina)

Zitiste, vorh.Begejski Sveti Djuradj (St.Georgen)

 

Kinderlager im Banat: [117]

Banatsko tovo Selo (Banater Neudorf)

Debeljaca (Debeljatscha)

Jabuka (Apfeldorf)

Kacarevo, vorh.Kraljevicevo (Franzfeld)

Vlajkovac (Wlajkowatz)

 

Anhang III: Bevölkerungstabellen

 

Volkszählungen

Bevölkerung gesamt[118]

deutsche Bevölkerung gesamt

1910

9 272 142

577 252

1921

11 750 000

513 000

1931

12 545 000

529 399

1953

16 396 573

59 028

1961

16 991 000

20 000[119]

1971

20 505 000

12 800

Serbien 2002

7.498.001

3.901

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bevölkerungszahl[120]

Banat

Donauschwaben gesamt[121]

Gesamtzahl der erfassten Personen 1941

131 400

509 350

Bevölkerungsstand nach eigener Zählung im Oktober 1944

127 300

496 000

Zivilpersonen, die bis Oktober 1944 flüchteten und nicht zurückkehrten

10 600

194 800

Zivilpersonen, die ab Oktober 1944 den Tito-Partisanen ausgesetzt waren

90 000

194 750

vor der Internierung ermordet, verschollen oder sonst umgekommen

3 780

6 760

vor der Internierung eines natürlichen Todes gestorben

420

890

nicht internierte Personen

1 780

9 100

internierte Zivilpersonen insgesamt

84 720

179 350

in die UdSSR zur Zwangsarbeit internierte

5 620

12 380

internierte Zivilpersonen in Ex-Jugoslawien

79 100

166 970

 

 

Umgekommene[122]

Banat

Donauschwaben gesamt[123]

vor der Internierung ab 1941

3 885

8 049

während der Internierung 1944-1948

21 849

48 447

auf der Flucht aus der Internierung

80

240

im ehemaligen Jugoslawien zusammen

25 805

56 735

in der UdSSR während der Zwangsarbeit

825

1 994

außerhalb Titos Machtbereich und in der UdSSR

47

605

Zivilpersonen zusammen

26 677

59 335

Soldaten

8 804

26 064

Gesamtzahl der Umgekommenen

35 481

85 399

Anhang IV: Karten

 

 

 

 

Historische Siedlungsgebiete der Donauschwaben

 

Die Historischen Siedlungsgebiete (rosa eingezeichnet) der Donauschwaben[124]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutsche Siedlungsgebiete in Südosteuropa nach der Türkenzeit[125]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutsche Wohngebiete in Jugoslawien 1918-1941[126]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufteilung Jugoslawiens nach dem Aprilkrieg 1941[127]


 

Anhang V: Interview mit Wenzel Jäger (*1933 in Lazarfeld) am 1.8.2007[128]

 

„Sind Sie sich bereits vor der Enteignung/Vertreibung gewisser Maßen ‚unerwünscht’ vorgekommen?“

Herr Jäger: Als Deutscher war man im Banat immer schon „Bürger 2.Klasse“, wenn man das so sagen darf. In Lazarfeld bzw. Lazarevo, ein 2000-Seelen Ort im Banat, waren Bahnhofsvorstand, Sekretär und Postvorstand seit jeher Serben. Natürlich waren auch deutsche Bürger dort beschäftigt, jedoch nie in Führungspositionen. Das war aber nicht die einzige Form der Benachteiligung! Auch bei Gerichten und Ämtern hatte man als Volksdeutscher immer die schlechteren Karten. Frei nach dem Motto: „Das Recht ist auf eurer Seite, die Gewalt auf unserer!“. Zugunsten eines Deutschen wurde bei Gericht äußerst selten entschieden.

„Haben Sie eine Ahnung warum?“

Herr Jäger: Vermutlich aus Neid. Die meisten Deutschen waren für die damaligen Verhältnisse gut situiert, hatten einige Felder zu bewirtschaften, die auch Ertrag brachten.

„Welche Auswirkungen hatte der Beginn des 2. Weltkrieges auf das Leben in Lazarfeld?“

Herr Jäger: Vom Beginn des Krieges habe ich mit meinen 5 Jahren nicht viel mitbekommen. Erst ab 1941 als das gesamte Banat von Hitler-Deutschland besetzt wurde, waren auch wir vom Krieg betroffen. Anfangs hegten wir Hoffnungen, nun endlich mehr Rechte zu bekommen, doch es passierte nichts, was unser Leben verbesserte. Ganz im Gegenteil: Ab 1942 mussten alle kampftauglichen Männer, wie auch mein Vater, zum deutschen Heer. Dass die dann ausgerechnet im Partisanenkrieg eingesetzt wurden, hat die bereits angespannte Beziehung zwischen Deutschen und Serben weiter verschlechtert.

 „Wie und wann ging dann die Vertreibung und anschließende Inhaftierung von statten?“

Herr Jäger : Am 1. Oktober 1944, als die Niederlage Hitler-Deutschlands schon absehbar war, sind die Russen im Banat einmarschiert und ein paar Tage später kamen die Partisanen an die Macht, das Martyrium begann: Im November 1944 wurden gemäß der AVNOJ – Gesetze[129], alle Volksdeutschen zu Staatsfeinden erklärt. Mit diesen Maßnahmen war von heute auf morgen der Volksdeutsche vollkommen entrechtet! Eine Folge davon waren „Hausdurchsuchungen“ der Partisanen bzw. der Volksmiliz. Sie drangen mit Gewehren oder Stöcken bewaffnet in die Häuser ein und nahmen sich, was ihnen gefiel. Manchmal kamen sie sogar mit kleinen Kindern und diese suchten sich was aus, es war ja legal!

Zur Weihnachtszeit 1944 musste Jugoslawien an Russland Arbeitskräfte liefern. Die Betroffenen waren Frauen im Alter von 18-30 und Männer im Alter von 16-45, ausnahmslos Volksdeutsche. In Russland mussten sie in Kohlengruben oder im Wald arbeiten mussten. 1/3 kam um, die Überlebenden kamen später, in den 50ern, nach Deutschland oder Österreich.

Im Frühjahr 1945 spazierte eines Tages ein Trommler durch den Ort und gab bekannt, dass sich alle Volksdeutschen am Gemeindeplatz einzufinden haben. Dieser Befehl wurde befolgt und während sich alle Deutschen am Gemeindeplatz befanden und sich die Beine in den Bauch standen, wurden deren Häuser ausgeräumt und der Boden mit Stroh ausgefüllt. Die Volksmiliz machte das mit mehreren Häusern, die dann als Sammellager galten. Wie viele in solch ein Lager gesteckt wurden, weiß ich zahlenmäßig nicht, soviel wie Platz war. Jedenfalls mussten Jugendliche und Frauen untertags auf den Feldern arbeiten(vgl. „Kolchose“). Im Herbst änderte sich dann unsere Lage: Kinder, Mütter mit Kleinkindern, Alte und Kranke wurden ins 40km entfernte Konzentrationslager Rudolfsgnad (à Buch: „Ein Volk ausgelöscht. Die Ausrottung des Donauschwabentums in Jugoslawien 1944-1948“. Leopold Rohrbacher), das heute als das schrecklichste der Lager gilt, deportiert. Heute weiß ich, dass das KZ Rudolfsgnad immer wieder aufgefüllt wurde, d.h. dass wenn 5 000 bis 6 000 Gefangene starben, kleinere Konzentrationslager  aufgelöst und die dortigen Insassen hergebracht wurden. Insgesamt starben in Rudolfsgnad nach heutigen Schätzungen ca. 14 000 Menschen (hauptsächlich Kinder, Mütter, Alte und Kranke). Übrigens dienten offene Gitterwagons als Transportmittel.

Meine Schwester, Ich und meine Tante mit ihrem Kleinkind waren davon betroffen, meine Mutter „durfte“ auf einer Kolchose ein Stück außerhalb von Lazarfeld arbeiten. In Knicanin, das ist der serbische Name für Rudolfsgnad, war bereits alles auf die Ankunft der Häftlinge vorbereitet. Wie auch in Lazarfeld, waren auch hier manche Häuser mit Stroh ausgelegt worden. Ortsweise sind wir dann in die Häuser getrieben worden.

„Können Sie mir den Tagesablauf oder fixe Punkte des Lagerlebens schildern?“

Herr Jäger: An den genauen Tagesablauf kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Für die Erwachsenen und die arbeitsfähigen Kinder gab es die Feldarbeit, die auch ich täglich ausgeführt habe. Ich musste Zuckerrüben händisch vereinzeln. In der Früh mussten sich alle an einem bestimmten Platz aufstellen und wir wurden von Knechten gezählt. Gebildet waren diese nicht. Es kam vor, dass sie sich verzählt haben und so konnte der Zählvorgang bis zu 2, 3 Stunden dauern. Diese Prozedur vor und nach der Arbeit, Tag für Tag. Die Abzählung war auch eine Art der Schikane. 

Ein großes Problem Tag für Tag war u.a. die Kälte. Es hat im Lager zwar Decken gegeben, doch gegen die Kälte waren die ein sehr geringer Schutz und Holz zu holen war uns nicht erlaubt.

Das größte Problem war aber der Hunger! Ein ständiges Hungergefühl zu haben und zu wissen es nicht stillen zu können, war mit Abstand die härteste Tatsache, mit der wir leben mussten. Ich weiß nicht mehr, wie oft, oder was genau wir zu Essen bekamen, doch ganz sicher zu wenig. Man hat sich den ganzen Tag die Frage gestellt, wo man etwas Essbares herbekommen kann und ich habe mich auf die Arbeit auf den Feldern wirklich gefreut. Denn dort, dass habe ich anfangs noch geglaubt, könnte man sich doch, wenn gerade kein Wächter hersieht, eine Zuckerrübe oder eine Kartoffel einstecken oder vor Ort essen. Das war aber leider ein Irrtum! Denn wenn ich das Glück hatte, beim Diebstahl nicht sofort erwischt zu werden, so flog dieser spätestens bei der Kontrolle bzw. Durchsuchung der Kleidung, die jeden Abend stattfand, auf. Die übliche Strafe waren Schläge, Tritte oder Arrest, d.h. tagelang ohne Nahrung in einem Keller die Zeit totzuschlagen. Bei solchen Bestrafungen sind auch Menschen gestorben: hat ein Wächter zu fest zugeschlagen, kam es vor, dass Gefangene an diesen Verletzungen zugrunde gingen. Andere, häufige Todesursachen waren Krankheiten, Seuchen, Hunger bzw. Durst oder schlichtweg Arbeit, denn das Motto: „Tod durch Arbeit!“ galt auch in diesen KZs. (Bestattung der Leichen  im Buch, s.o.).

„Apropos Seuchen: Hatten Sie eigentlich Waschgelegenheiten?“

Herr Jäger: Das weiß ich nicht mehr. Wir werden sicher die Möglichkeit gehabt haben, uns manchmal zu waschen, aber Duschen oder Waschbecken gab es keine.

„Gibt es irgendwelche Ereignisse oder Anekdoten über den Lageralltag, die Sie mir noch erzählen könnten?“

Herr Jäger: Da kann ich dir schon was erzählen. All diese Anekdoten verdeutlichen nur mehr, welch eine große Rolle der Wunsch, Nahrung zu finden, spielte.

Bsp.1: Ich ging öfters betteln, d.h. ich schlich mich in der Nacht aus dem Lager, in der Hoffnung, dass mich kein Wächter bemerkt und bettelte am Tag dann in der Umgebung um Essen. Ich muss bei dieser Gelegenheit auch noch einmal betonen, dass viele Serben und Ungarn, obwohl sie wussten, dass ich aus dem KZ Rudolfsgnad ausgebrochen bin, mir eine Scheibe Brot oder dergleichen gaben. Wenn ich mehr bekam, nahm ich es dann für meine Schwester oder sonst jemanden mit hinein. In der Nacht musste ich dann wieder irgendwie unbemerkt in das Lager hineinkommen. Solche Aktionen waren natürlich brandgefährlich, doch man hatte großen Hunger. Betteln gingen hauptsächlich Kinder, weil die Chance größer war, auch etwas zu bekommen.

Bsp.2: Ich wusste, dass meine Mutter auf einer Kolchose 40 km außerhalb des KZ arbeitet und mir war natürlich auch klar, dass es dort sicher mehr zu essen gab. Also machten sich mein Freund Jakob, der auch Gefangener war, und ich auf den Weg zu meiner Mutter. In den frühen Morgenstunden des 24. Dezembers 1945 schlichen wir uns raus und wurden glücklicher Weiße nicht erwischt. Wir hatten 7km des Weges zurückgelegt, da hörten wir auf einmal einen Pfiff. Total erschocken und verängstigt, wussten wir nicht, was wir tun sollten, aber weglaufen hatte in dieser Gegend (weil Flachland) keinen Sinn. Also mussten wir wohl oder übel dem Pfiff und den darauffolgenden Rufen, die wir leider nicht verstanden, weil sie serbisch waren, folgen. Wir sahen dann einen Mann, der uns mithilfe von Handzeichen zu sich lotste. Der erkannte aber sehr schnell, dass wir Deutsche waren und kein Serbisch konnten. Er rief einen anderen Mann zu sich, der in der Lage war Deutsch zu sprechen. Dieser fragte uns, was wir hier zu suchen hätten und mir fiel eine passende Notlüge ein: „Wir mussten eine Pferdefuhrwerk von der Kolchose überstellen und gehen jetzt wieder zurück.“ Ich war unheimlich stolz, dass mir so eine plausible Erklärung in den Sinn kam, doch aus heutiger Sicht betrachtet, bin ich mit ziemlich sicher, dass der Mann wusste, dass es sich um eine Lüge handelte. Und mit dem, was danach folgte, hat keiner von uns gerechnet. Der Mann fragte uns doch tatsächlich, ob wir Hunger hätten! War es, weil Weihnachten war, oder hatten wir einfach so viel Glück, es war unfassbar! Ich habe mich selten über Gulasch so gefreut! Uns wurde auch Schnaps angeboten, doch wir lehnten dankend ab, weil wir Angst hatten auf der Straße einzuschlafen und zu erfrieren. Gestärkt und verwundert über unser Glück gingen wir weiter. Wir kamen durch ein ungarisches Dorf und dort wurden wir wieder aufgehalten. Der Mann, der uns diesmal aufgehalten hat, vergewisserte sich noch einmal, dass ihn keiner beobachtet und gab uns dann ein Stück Fleisch und eine Scheibe Brot. Er forderte uns auf, sofort wieder zu verschwinden. Solche Szenen verdeutlichen die Angst, denn immerhin durfte man nicht dabei erwischt werden, einem Deutschen zu helfen und zu versorgen. Und es haben aber trotzdem Viele gemacht!

Jedenfalls zogen wir dankbar weiter und nach ein paar Stunden erreichten wir die Kolchose. Dort hielt uns wiederum ein Mann auf und fragte, von wo wir seien. Diesmal waren wir ehrlich und antworteten: „Rudolfsgnad.“ Der brachte uns darauf hin zu seinem Kommandanten. Dieser wollte u.a. wissen, ob wir hier Verwandte hätten. Ich hatte meine Mutter und Jakob seine Tante. Wir durften die Kolchose betreten. Ein weiteres „Wunder“ an diesem Tag! Im Dunkeln sahen wir kurz darauf eine Frau, zu der wir hinliefen und fragen wollten, ob sie wüsste, wo sich meine Mutter oder Jakobs Tante aufhielten. Man kann es fast nicht glauben, aber diese Frau war tatsächlich meine Mutter! Wir brachten Jakob noch zu seiner Tante und dann war ich tatsächlich mit meiner Mutter, die ich monatelang nicht mehr gesehen hatte, wieder vereint! Wenn man heute darüber nachdenkt, kommt es einen unglaublich vor, welches Glück wir an diesem hl. Abend hatten. 2 Wochen verbrachte ich dort auf der Kolchose, dann musste ich leider zurück, weil noch mehr geflüchtet waren und nicht alle tragbar waren. Alle wurden mit Pferdefuhrwerken zurückgebracht. Zur Strafe sperrte man mich 2 Tage und Nächte lang ohne Essen und Trinken in einen Keller, danach nahm das „normale Lagerleben“ wieder seinen Lauf.

Bsp.3: 1946 schloss ich mich einer Gruppe von Frauen, die draußen Lebensmittel holen wollten, an. Wir waren um die 10, 11 Personen. Mein Ziel war eine Bäckerei in Lazarfeld, weil meine Mutter mittlerweile dort arbeitete. Wieder einmal schlichen wir uns in der Nacht aus dem Lager und marschierten nach Lazarfeld. Dort blieben wir dann 3, 4 Tage. Meine Mutter entschloss sich, mit ins Lager zu kommen - freiwillig! Doch leider war ausgerechnet in der Nacht unserer „Heimkehr“ Rudolfsgnad sehr stark bewacht. Unzählige Wärter, die rund um die Uhr die Grenzen des Lagers mit Hunden an der Leine abmarschierten, waren in der besagten Nacht im Einsatz. Es dauerte nicht lange, bis auch wir entdeckt wurden. An Ort und Stelle hat man uns brutal geschlagen und getreten. Danach brachten sie uns in eine Art Sammellager, in dem sich in jener Nacht schon 30, 40 Leute  befanden. Wir mussten uns auf den Bauch legen und still sein. Bis in die frühen Morgenstunden hat man uns dort misshandelt. Total erschöpft mussten wir uns am nächsten Tag in 2er Reihen aufstellen und wurden zu allem Überfluss auch noch gezwungen, uns gegenseitig zu schlagen! Nachdem dieses Martyrium endlich sein Ende genommen hatte, brachte man uns zur Kommandantur und dort beschlagnahmten sie dann alle Lebensmittel, die wir in Lazarfeld besorgt hatten. Darauf hin sperrten sie uns auch noch ein paar Tage im Keller ein, wieder ohne Essen und Trinken. Das schlimmste in dieser Nacht war, dass man uns die Lebensmittel wieder abnahm.

„Dankeschön für die vielen Anekdoten. Ich habe jetzt einen gewissen Einblick in Ihr damaliges Leben erhalten, habe jetzt eine gewisse Vorstellung davon. Können Sie mir nun bitte etwas über die Öffnung des Konzentrationslagers Rudolfsgnad erzählen?“

Herr Jäger: Selbstverständlich. Erstmals kamen Ende 1947 Hoffnungen auf, bald in Freiheit leben zu dürfen. Damals kam uns zu Ohren, dass die UNO Jugoslawien stark unter Druck setzte, die Konzentrationslager endlich aufzulösen. Am Ostersonntag 1948 war es dann soweit: Wir bekamen den Befehl, zu packen! Was wir packen sollten, war uns ein Rätsel, weil wir ja nichts hatten. Jedenfalls sind wir in Viehwagons gezwängt worden. Der Transport musste aber alle 2 Stunden unterbrochen werden, um die  Verstorbenen aus dem Wagon zu werfen! Die Fahrt ins Ungewisse dauerte den ganzen Tag. Die Nacht verbrachten wir auf einer Wiese im Nirgendwo. Zu Essen und Trinken gab es nichts. Am nächsten Tag sind dann Pferdefuhrwerke, auf die potenzielle Arbeitskräfte aufsteigen mussten, gekommen. 500-600 waren wir insgesamt, 60, vielleicht 70 Menschen mussten auf die Fuhrwerke. Ich nicht. Am 3. Tag hieß es dann: „Alle aufsteigen!“ Die Schwächeren durften auf den Pferdefuhrwerken, die auch an diesem Tag kamen, Platz nehmen, der Rest folgte ihnen zu Fuß. Stunden später kamen wir zu einer Kolchose, die den Namen Jabučki Ried (dt.: Apfeldorf) trug. Von der nahegelegenen Donau durften wir uns Wasser holen und auch zu Essen bekamen wir reichlich! Denn jeder Einzelne durfte sich zuerst eine Schüssel holen und dann in die Küche gehen, um sich um Bohnensuppe mit Schafsfleisch und eine Scheibe Brot anzustellen. Man bekam sogar noch Nachschlag, wenn man wollte. Ich wollte. Dieses Festmahl war wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zur gleichen Zeit!

„Für wie lange blieben Sie dann auf der Kolchose und wie sah dort der Alltag aus?“ 

Herr Jäger: Bis März 1950 blieben wir auf dieser Kolchose. Am Tag mussten wir arbeiten: Der Großteil auf den Feldern, aber einige, so wie ich, hatten das Privileg Pferde beschlagen zu dürfen oder gegebenenfalls Geräte zu reparieren. Das Schönste aber war, dass wir einmal am Tag zu Essen bekamen! Übrigens gab es in den Baracken, die uns als Schlafstätte dienten, sogar Stockbetten!

„ Und was war dann im März 1950?“

Herr Jäger: Am 5. März 1950 kam ich nach Österreich! Damals rief die UNO ein Programm, das der Familienzusammenführung diente, ins Leben. Das besagte, dass Volksdeutsche, die Angehörige in Deutschland oder Österreich hatten, dorthin auswandern durften. Da sich mein Vater 1945-1947 in Österreich in englischer Kriegsgefangenschaft befand und bis dato das Land nicht wieder verlassen hatte, durfte meine Familie, weil er bereits ein Einreisevisum und meine Mutter einen jugoslawischen Ausreisepass beantragt hatte, auch mit dem Zug nach Österreich fahren. Gott sei dank lehnte meine Mutter zuvor das Angebot jugoslawischer Behörden, die Staatsbürgerschaft zu erhalten, ab, denn sonst wären wir illegal geflüchtet, was das ganze Vorhaben erheblich erschwert hätte.

„Was geschah dann in Österreich?“

Herr Jäger: Nachdem mein Vater 1947 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, suchte er Arbeit und wurde beim Ennskraftwerk in Großraming fündig. Gelebt hat er damals im Flüchtlingslager. Als wir 1950 in Österreich ankamen, hat er den Betreibern des Lagers davon erzählt und um eine Wohnung gebeten. Es war sogar eine 2-Raum Wohnung in einer Baracke frei, die wir auch zugesprochen bekamen. Meine Schwester ist in Österreich mit 13 Jahren das erste Mal in ihrem Leben zur Schule gegangen. Ich habe bei einer Baufirma gearbeitet. Im Sommer 1952 haben wir uns einen Baugrund nahe Kronstorf gekauft und als kurze Zeit später die Baracken, in denen wir lebten, aufgelöst wurden, haben wir Barackenteile günstig erstehen können. Damals wurden Fenster etc. verkauft, die wir für unser neues 3-räumiges Haus (Eltern in Küche geschlafen) natürlich gut gebrauchen konnten. Ich habe mir hier, auf den 1952 erstandenen Baugrund, meine Existenz aufgebaut. Das kleine Häuschen steht sogar noch hier und dient uns heute als Geräteschuppen und Gartenhäuschen. Es besteht größtenteils sogar noch aus den Bauteilen von damals!

 

 

 

 

 

 


 

Literaturverzeichnis

Primär- und Sekundärliteratur

 

BLUMENWITZ, Dieter: Rechtsgutachten über die Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944 – 1948. München: Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung, 2002

 

BUNDESMINISTERIUM für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgefangene 1954 – 1961 (Hrsg.): Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien. München: Deutscher Taschenbuchverlag, 2004

 

Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft, Verband der Donauschwaben in Oberösterreich, Die Vernichtungslager in Jugoslawien 1944-1948, Ausstellung zum 50.Jahr-Gedenken, Broschüre;

 

Donauschwäbische Kulturstiftung(Hrsg.): Leitfaden zur Dokumentationsreihe über die Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948, Gesamtübersicht mit thematischen Ergänzungen und Register, München: Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung, 2005.

 

Donauschwäbische Kulturstiftung (Hrsg.): Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944 – 1948, Die Stationen eines Völkermords. München: Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung, 1998

 

FELDTÄNZER, Oskar, PROKLE, Herbert: Die deutsche Volksgruppe in Jugoslawien und der Aprilkrieg 1941. In: Donauschwäbische Kulturstiftung (Hrsg.): Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944 – 1948, Die Stationen eines Völkermords. München: Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung, 1998

 

KAPELLER, Norbert: Parlamentarische Gedenkreisen im Gedenkjahr 2005, Eine österreichische Parlamentarierdelegation blickt auf die ehemalige Donaumonarchie und die Zukunft in einem gemeinsamen Europa. Institutverlag IDEA2, 2008

 

KRONER, Michael: Nationale Minderheiten in Südosteuropa, Verfolgung, Assimilierung, Flucht, Vertreibung und Umsiedelung. Wien: 1992

 

LANG, Lorenz: 150 Jahre Lazarfeld 1800-1950, Die Geschichte einer deutschen Gemeinde im Banat. München: Lorenz Lang (Hrsg.) 1972

 

NAWRATIL, Heinz: Schwarzbuch der Vertreibung 1945  bis 1948, Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit. München: Universitas Verlag5 1999

 

REINSPECHT, Martin: Zwischen den Mühlsteinen, Eine Dokumentation über die Hintergründe der Vertreibung der Volksdeutschen aus Jugoslawien und der sonderbaren Befreiung von 35 000 bis 40 000 Menschen aus dortigen Internierungslagern 1946/47. Hrsg.: Martin Reinspecht, Leonding;

 

ROTH, Franz (Hrsg.): Beiträge zum Geschichtsbild der Donauschwaben. In: Geschichtsbild der Donauschwaben im Spiegel des Fernsehens, Wissenschaftliches Symposium 1999 Salzburg. Salzburg: Franz Roth (Hrsg.) 2001

 

SCHEURINGER: Die Integration des Donauschwaben in Österreich. In: STREIBEL, Robert (Hrsg), ALEXANDER, Manfred: Flucht und Vertreibung, Zwischen Aufrechnung und Verdrängung. Wien: Picus Verlag 1994.

 

STREIBEL, Robert (Hrsg.), ALEXANDER, Manfred: Flucht und Vertreibung, Zwischen Aufrechnung und Verdrängung. Wien: Picus Verlag 1994.

 

VOGEL, Detlef: Vertreibung, Verfolgung und Ausrottung in Jugoslawien während des zweiten Weltkrieges und danach. In: STREIBEL, Robert (Hrsg), ALEXANDER, Manfred: Flucht und Vertreibung, Zwischen Aufrechnung und Verdrängung. Wien: Picus Verlag 1994.

 

WILDMANN, Georg: Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien, Band III, Erschießungen – Vertreibungen – Kinderschicksale in der Zeit von 1944 bis 1948, München: Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung, 1995

 

Internetquellen

 

www.altoesterreich.eu [10.02.2009]

 

www.birda.de [10.02.2009]

 

www.deutschlandundeuropa.de [10.02.2009]

 

www.donauschwaben.net [01.01.2009]

 

www.dvvstimme.org [10.02.2009]

 

www.elib.at [22.11.2008]

 

www.ensheim-saar.de [07.11.2008]

 

www.kulturstiftung.donauschwaben.net [31.10.2008]

 

www.osaarchivum.org [10.02.2009]

 

www.sekitsch.de [12.07.2007 bzw. 03.02.2008]

 

www.topix.com [10.02.2009]

 

www.vloe.at [10.02.2009]

 

www.webarchiv-server.de [03.02.2009]

 

www.wikipedia.de [10.02.2009]


 


[1] www.elib.at  [22.11.08]

[2] vgl.: Norbert Kapeller, Parlamentarische Gedenkreisen im Gedenkjahr 2005, S.35

[3] vgl.: Dieter Blumenwitz, Rechtsgutachten über die Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948, S. 52

[4] vgl.: www.birda.de [7.11.08]

[5] vgl.: www.ensheim-saar.de  [7.11.08]

[6] Die, für damalige Zeiten, gut situierten Donauschwaben hatten mit dem Neid der slawischen Bevölkerung zu kämpfen, die oftmals ärmer waren. Grund für die bessere wirtschaftliche Situation waren das größere Know-how der ertragreichen landwirtschaftlichen Nutzung und auch die besseren Mittel, dieses Wissen auch umsetzen zu können.

[7] Die seit dem 17 Jh. bestehende Banater Militärgrenze war Teil der habsburgerischen Militärgrenze gegen das Osmanische Reich, die vom 16. bis ins 19. Jh. existierte.

[8] vgl.: Arbeitskreis Dokumentation, Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948, S. 17-19; vgl.: www.birda.de [30.12.08]

[9] vgl.: Kapeller, Parlamentarische Gedenkreisen, S.35

[10] www.deutschlandundeuropa.de [10.02.2009]

[11] www.deutschlandundeuropa.de [10.02.2009]

[12] vgl.: Blumenwitz, Rechtsgutachten S. 52-54; vgl.: Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 45; vgl.: Kapeller, Parlamentarische Gedenkreisen, S.36

[13] Robert Streibel (Hrsg.), Flucht und Vertreibung, S. 79

[14] vgl.: Detlef Vogel, Deutschland und Südosteuropa, S. 535 in: Der Zweite Weltkrieg, (Hrsg.) W. Michalka;

[15] vgl.: Heinz Nawratil, Schwarzbuch der Vertreibung, S. 160

[16] lt. Nawratil, Schwarzbuch der Vertreibung, S. 160 war bereits am 17. April 1941 Kriegsende

[17] vgl.: Streibel, Flucht und Vertreibung, S. 78

[18] Nawratil, Schwarzbuch der Vertreibung, S. 161

[19] Oskar Feldtänzer, Herbert Prokle, Die deutsche Volksgruppe in Jugoslawien und der Aprilkrieg 1941 in: Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S.185 ff.

[20] vgl.: Vogel, Vertreibung, Verfolgung und Ausrottung in Jugoslawien während des Zweiten Weltkriegs und danach, in: Streibel (Hrsg.), Flucht und Vertreibung, S. 77ff

[21] vgl.: Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S.46

[22] Nawratil, Schwarzbuch der Vertreibung, S. 161

[23] OKW = Oberkommando der Wehrmacht

[24] Übrigens war die Exekution von Partisanen laut damaligem Kriegsrecht erlaubt, da der kriegsrechtliche Status dieser Bewegung der der Freischärler war. Die Haager Landkriegordnung von 1907 unterschied zwischen Freischärlern und Kombattanten ganz klar. Das Kriegsrecht durfte nur in Anspruch nehmen, der:

Uniformen oder Abzeichen trägt, aus der Weite gut sichtbar ist, Waffen offen führt, Gesetze des Krieges nicht beachtet und klare Ordnungen, Hierarchien aufweist. Sie galten demnach mehr oder weniger als Privatpersonen, die einen nicht-gesetzeskonformen Krieg führten. Sollten Angehörige dieser Gruppe in Gefangenschaft geraten, durften sie, nach damaligem internationalem Kriegsrecht exekutiert werden. Das galt natürlich nicht für serbische Zivilisten!

[25] vgl.: Völkl 1991, S.85 f.

[26] Franz Roth (Hrsg), Geschichtsbild der Donauschwaben im Spiegel des Fernsehens, S.15; lt.: Lorenz Lang, 150 Jahre Lazarfeld, S. 92 wurde sie erst im Mai 1942 gegründet.

[27] vgl.: Lang, 150 Jahre Lazarfeld,S. 92

[28] vgl.: Bundesministerium für Vertriebene: Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte 1954-1961(Hrsg.): Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 67E

[29] vgl.: Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 47-49

[30] vgl.: Feldtänzer, Prokle, Die deutsche Volksgruppe in Jugoslawien und der Aprilkrieg 1941 in: Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S.102

[31] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 90E

[32] AVNOJ = Antifašističko vijeće narodnog oslobođenja Jugoslavije

[33] vgl.: Blumenwitz, Rechtsgutachten, S. 17

[34] vgl.: Leopold Rohrbacher, Ein Volk ausgelöscht, S. 12-25

[35] vgl.: Rohrbacher, Ein Volk ausgelöscht, S. 12-25

[36] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S.102E

[37] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S.103E

[38] Herr Jäger verwendete anstatt des Begriffes „Partisanen“ den Begriff „Volksmiliz“

[39] Interview mit Wenzel Jäger, Anhang

[40] Sl. List FNR Jugosl. I/1945, Nr.59, Pos.558

[41] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 106E

[42] Georg Wildmann, Entwicklung und Erbe der donauschwäbischen Volksstammes, S. 256-258

[43] Sl. List FNR Jugosl. I/1945,Nr.66, Pos. 619

[44] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 107E

[45] Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 91

[46] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 200

[47] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 201.

[48] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 201 ff.

[49] vgl.: Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft, Verband der Donauschwaben in Oberösterreich, Die Vernichtungslager in Jugoslawien 1944-1948, Ausstellung zum 50.Jahr-Gedenken, Broschüre;

[50] Der SS- und Polizeiführer Hermann Behrends wollte wohl als Rückeroberer von Temeswar Geschichte schreiben und verbot nicht nur die Evakuierung, er mobilisierte sogar alle Kampfesfähigen für einen Angriff auf die immer näherkommenden Truppen der Sowjetunion. Er berief sich bei dieser Aktion auf einen „geheimen Führerbefehl“ der nie erfolgt war. Dieser Mann trägt mit seinem Größenwahn große Schuld an den darauffolgenden Geschehnissen.

[51] vgl.: Vogel, Vertreibung, Verfolgung und Ausrottung in Jugoslawien während des zweiten Weltkriegs und danach, in: Streibel (Hrsg.), Flucht und Vertreibung, S.87

[52] Arbeitskreis: Verbrechen 1944-1948, S. 73

[53] Der deutsche Journalist Rudolf Augstein beurteilte die Potsdamer Konferenz 1985 so: „Das Besondere an der Potsdamer Konferenz lag darin, daß (sic) hier ein Kriegsverbrechergericht von Siegern beschlossen wurde, die nach Maßstäben des späteren Nürnberger Prozesses allesamt hätten hängen müssen. Alle drei (Stalin, Truman und Churchill) hatten Bevölkerungsumsiedelungen verrückten Ausmaßes beschlossen, alle drei wußten (sic), wie verbrecherisch diese vor sich gingen.“ aus: Der Spiegel, Ausgabe 2 / 85, S.30

[54] Diese Akte mit deutscher Übersetzung finden Sie im Anhang.

[55] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 90E

[56] vgl.: Lang, 150 Jahre Lazarfeld, S. 96

[57] vgl.: Lang, 150 Jahre Lazarfeld, S. 95 - 97

[58] vgl.: Lang, 150 Jahre Lazarfeld, S. 96

[59] vgl.: Lang, 150 Jahre Lazarfeld, S. 96

[60] Mit Volksmiliz sind die Partisanen Titos gemeint, Herr Jäger zog es vor die Bezeichnung „Partisanen“ zu vermeiden

[61] vgl.: Lang, 150 Jahre Lazarfeld, S. 96 - 100

[62] vgl.: Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 92E

[63] UdSSR = Union der sozialistischen Sowjetrepubliken

[64] Wildmann, Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien III, S. 928f, 932f, 940f;

[65] Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 96E

[66] In einigen Büchern wird 17% angeführt.

[67] Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 96E

[68] Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 85f

[69] vgl.: Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 243

[70] Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S.126

[71] Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S.126

[72] Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 153; vgl.: www.vloe.at [30.12.08]

[73] Rohrbacher, Ein Volk ausgelöscht, S. 106 ff

[74] vgl.: www.vloe.at [30.12.08]

[75] vgl.: Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 153-155

[76] Bundesministerium, Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien, S. 497

[77] vgl.: Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 153-155

[78] vgl.: Lang: 150 Jahre Lazarfeld, S. 100

[79] vgl. Heimatbuch Weißkirchen, S 276

[80] Rohrbacher, Ein Volk ausgelöscht, S. 104

[81] Interview mit Wenzel Jäger

[82] Interview mit Wenzel Jäger, Anhang

[83] Rohrbacher, Ein Volk ausgelöscht, S. 106

[84] vgl.: Rohrbacher, Ein Volk ausgelöscht, S. 106

[85] Lang, 150 Jahre Lazarfeld, S. 101

[86] vgl.: Rohrbacher, Ein Volk ausgelöscht, S. 112

[87] vgl.: Lang, 150 Jahre Lazarfeld, S. 101

[88] vgl.: Rohrbacher, Ein Volk ausgelöscht, S. 114

[89] vgl.: Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 156

[90] Wildmann, Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien III S. 742 f.

[91] vgl. Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 162

[92] vgl. Arbeitskreis, Verbrechen 1944-1948, S. 271

[93] vgl. Wildmann, Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien III, S.108

[94] vgl. Wildmann, Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien III, S. 108 f.

[95] Darunter versteht man alle Menschen deutscher Abstammung, die in Jugoslawien lebten, das waren neben einem Teil der Donauschwaben auch Deutsch-Untersteirer und Gottschee-Deutsche.

[96] vgl.: Lang, 150 Jahre Lazarfeld, S. 105

[97] vgl.: Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft, Verband der Donauschwaben in Oberösterreich, Die Vernichtungslager in Jugoslawien 1944-1948, Ausstellung zum 50.Jahr-Gedenken, Broschüre;

[98] vgl. Wildmann, Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien III, S. 108 f.

[99] www.dvvstimme.org [10.2.09]

[100] Es gab, wie bereits erwähnt, keine organisierte Evakuierung der deutschen Minderheit aus dem Banat, daher waren sie auf sich alleingestellt.

[101] www.vloe.at [10.2.09]

[102] Interview mit Wenzel Jäger

[103] www.vloe.at [10.2.09]

[104] Viele entfernen sich von der Bezeichnung „Donauschwabe“, aufgrund der politisch oft missbrauchten Bedeutung dieses Begriffes.

[105] vgl.: Scheuringer, Die Integration der Donauschwaben in Österreich, in: Streibel (Hrsg.): Flucht und Vertreibung, S. 285 ff.

[106] www.vloe.at [8.2.09]

[107] www.vloe.at [8.2.09]

[108] www.vloe.at [8.2.09]

[109] 25.6.1991: Kroatien und Slowenien, 8.9.1991: Mazedonien, 15.10.1991: Bosnien-Herzegowina, 17.2.2008: Kosovo erklärt sich von Serbien unabhängig;

[110] www.wikipedia.de [10.2.09]

[111] Blumenwitz, Rechtsgutachten, S. 27 ff.

[112] Darunter versteht man alle Menschen deutscher Abstammung, die sich zu diesem Zeitpunkt in Jugoslawien befanden.

[113] vgl.: Blumenwitz, Rechtsgutachten, S.29 -32

[114]Blumenwitz, Rechtsgutachten, S. 48-49

[115] Alle Angaben von: www.sekitsch.de [3.2.09] www.webarchiv-server.de [3.2.09]

[116] www.sekitsch.de [12.07.2007]

[117] www.sekitsch.de [12.07.2007]

[118] Alle Angaben von: www.osaarchivum.org [10.2.09]; www.topix.com [10.2.09]

[119] Dieser drastische Rückgang der deutschen Bevölkerung in Jugoslawien ist auf Auswanderungen nach Deutschland, Österreich und Übersee zurückzuführen.

[120] aus: Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948, S 291

[121] also u.a. aus: Banat, Batschka, Baranja, Syrmien, Slawonien/Kroatien, Bosnien, Serbien;

[122] aus: Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948, S 314

[123] also u.a. aus: Banat, Batschka, Baranja, Syrmien, Slawonien/Kroatien, Bosnien, Serbien;

[124] www.kulturstiftung.donauschwaben.net [30.10.08]

 

[125] www.donauschwaben.net [1.1.2009]

[126] www.donauschwaben.net [1.1.2009]

[127] www.donauschwaben.net [1.1.2009]

[128] Zeitzeuge Wezel Jäger verwendete für die Partisanen den Begriff „Volksmiliz“

[129]AVNOJ steht für: Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens. Beschlüsse: 1. Alle in Jugoslawien lebenden Personen deutscher Volkszugehörigkeit verlieren automatisch die jugoslawische Staatsbürgerschaft und alle bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte.

2. Der gesamte bewegliche und unbewegliche Besitz aller Personen deutscher Volkszugehörigkeit gilt als vom Staat beschlagnahmt und geht automatisch in dessen Eigentum über.

3. Personen deutscher Volkszugehörigkeit dürfen weder irgendwelche Rechte beanspruchen oder ausüben, noch Gerichte und Institutionen zu ihrem persönlichen oder rechtlichen Schutz anrufen.